Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Zur Spanienreise ist es aber dann gar nicht gekommen. Von Wien aus geht die starcke weite gefährlichen Rais zuerst nach Prag, wo er die edle und tugentreiche Frau, seine herzvill geliebte Frau Mutter besucht und ihr für den Fall seines Ablebens aus kindlicher Lieb 5000 Gulden vermacht. Er datiert dieses Testament mit dem 12. September 1617 und dem Zusatz: Vor unserer Abrais nach Hispanien. Als Vollstrecker bestimmt er seinen Bruder: ..Und bevellen hirmit [...] daß unser villgeliebter Herr und Bruder Herr Don Carolo vonn Österreich [...] der Frau Anna Maria Ranfftin als unser lieben Frau Muetter, die unnß unter ihrem Herzen getragen hat, daß ihre unfelberlichen pars Gelt 5 000 Gulden vor allen anderen [...] von unnserer Verlassenschaft geraicht sein soll.379 In Brüssel ist Matthias sehr erfolgreich. Der „Onkel“ Albrecht verschreibt ihm am 26. Dezember 1617 als aiuto di costa die enorme Summe von 20 000 Gulden. Das Geld soll ihm Kaiser Matthias auszahlen, der bei Erzherzog Albrecht über 200 000 Gulden Schulden hat. Die erste Flälfte dieses Betrages erhält Matthias noch 1618 ausbezahlt, bei der zweiten Hälfte muß er sich-nach Kriegsausbruch sind die Mittel knapper - noch länger gedulden.380 Erzherzog Albrecht dürfte dem „Neffen“ sehr gewogen sein, denn am gleichen Tag schreibt er an Erzherzog Ferdi­nand, daß er den Don Matthias wegen seiner guten Qualitäten gar gerne gesehen hätte. Er bittet Ferdinand, seinem Neffen immer gewogen zu sein und auch beim Kaiser für ihn einzutreten, damit er ihm nach Kräften helfe. Kurz danach reist Matthias wieder von Brüssel ab.381 Von Ende März bis August 1618 finden wir Matthias wieder in Wien382, wo er sich auf seinen nächsten Kriegseinsatz vorbereitet. Nach dem Prager Fenstersturz am 23. Mai sammelten die Aufständischen ein Heer, das noch im Juni 1618 unter Matthias Graf von Thum mit 9 000 Mann die kaisertreuen Städte Krumau, Pilsen und Budweis belagerte. Nun muß auch Kaiser Matthias zu den Waffen greifen, obwohl sein politischer Mentor Kardinal Khlesl eher für einen Ausgleich eingetre­ten wäre. In Wien erschallt täglich die Werbetrommel und einer der neuen Kom­mandanten ist Matthias. Der bittet am 12. Juni den Kaiser um ein monatliches ex- traordinari aiuto di costa für die Reformierten Befehlshaber, die in seiner Kompa­nie unter ihm reiten wollen.383 Der Hofkriegsrat lobt Don Matthias’ dapfers und redlichs Gemueth und meldet, daß er in Friaul ein Fähnlein von 500 Knecht kom­mandiert hätte, jetzt aber eine Kompanie von 100 Arkebusier-Pferden unter dem Oberst von Puchheim führe. Er rät aber wegen schädlicher Konsequenzen von der Gewährung einer Zulage ab. Auch ein weiteres Gesuch von Matthias im Zusam­379 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 108 f. 380 HKA, HF, r. Nr. 177, 1619 Jan 15, fol. 5 f. 381 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 31, Nr. 158. 382 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 10-13. 383 KA, HKR, Prot 1618 R, fol. 114 und HKA, Nö. K, 1618 Jul 5. 60

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