Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper underlassen, auch dises RaysUncossten noch für dismall bezallen lassen, doch daß er hiefür dergleichen Raysen zu Ersparung Uncosstens ohne Ir Kay. Mat. gnädistes Vor­wissen und Verwilligung weitter nit fürneme.'67 Matthias läßt aber nicht locker und schreibt an die Hofkammer, daß ihm der Kai­ser voriges Jahr für die vorgehabte niederländische Reise 1 000 Gulden verspro­chen hätte - die aber nie eingetroffen wären. Er möchte davon jetzt sofort 500 Gulden, weil er so aller Mittel entblößt ist, daß er von hier nicht abreisen kann und nirgends mehr Geld aufbringen kann.567 568 Der Hofzahlmeister übersendet ihm daraufhin ganze 100 Taler (=116 Gulden).569 Die angeblich drückende Not hindert Matthias aber nicht, den Häuserer auch als Stallmeister aufzunehmen.570 Weitere Werbungen erwiesen sich dann als überflüssig. Nachdem die Venezianer erkannt hatten, daß sie die Österreicher nicht aus dem strategisch entscheidenden Brückenkopf Gradisca vertreiben konnten und so weder Triest noch Fiume würden erobern können, war der Krieg für sie mehr oder weniger zu Ende. Schon zuvor hatte Erzherzog Ferdinand dem Grafen Khevenhüller eine Instruktion zu Friedens­verhandlungen übergeben. Khevenhüller ging dann über Brüssel nach Madrid, wo unter spanischer Vermittlung am 26. September 1617 der Friede von Madrid ge­schlossen wird. Die Truppenkommandanten in Friaul schlossen ihren Waffenstill­stand zwar erst am 28. November 1617, doch der Krieg war zu Ende. Bis Anfang Februar 1618 waren die Bedingungen des Madrider Friedens größtenteils durchge­führt.571 4. 4. Wien, Brüssel und Südböhmen Nach Beendigung des Krieges finden wir Matthias zuerst in Graz, wo er vom Grazer Bürger Bernhard Freund etliche Ring um 182 Gulden kauft. Er verpflichtet sich, diese in spätestens 2 Monaten, in Wien oder Graz bezahlen572 *, das heißt, er plant nach Wien zu übersiedeln. Dort finden wir ihn am 1. September 1617 und sehen, wie er sich häuslich einrichtet. An Silbergeschirr läßt er kaufen: 18 Schüsseln, 12 Löffel, 2 Essigschüsseln, 24 Teller, 2 Flaschen, 4 Schalen, 2 Leuchter, 1 Gießbecken mit Kanne, 6 Feldbecher mit Deckel, 2 Salzfässer, 4 große Schüsseln und ein Zuckergefäß. Das Geschirr wog 183 Mark und 6 Lot (= ca. 51 Kilo) und wurde in einer Reisetruhe aufbewahrt. Dafür mußte er dem Hofjuden Israel Wolf 2 880 Gulden zahlen.575 Wir wissen auch, was aus diesem Geschirr gegessen wurde: Von 28. März bis 8. August 1618 wurden in der Küche 567 HKA, RA 100B, fol. 198 f. 568 HKA, RA 100B, fol. 201 f. 569 HKA, HZAB 66, fol. 45 1v. 570 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 27 f. 571 Hammer-Purgstall: Khlesl, Bd. 3, S. 223 f. 572 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 108 f. 575 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 192. 58

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