Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper er solche selbst ambitionirt.332 333 und im September des gleichen Jahres schreibt Dr. Wilhelm Jocher an den Herzog von Bayern, daß Don Matthias für die Regensburger Bischofswürde im Gespräch ist: Gestern wurde der verstorbene Bischof von Regensburg bestattet. Am Nachmittag hat der hiesige Domherr von Törring mich in höchstem Vertrauen gebeten, ihn E. Dt. für die vakante Würde zu empfehlen; er habe glaubenswürdige Nachricht, daß Khlesl und andere sich bemühen sollen, daß ein junger Bastard Rudolfs, der Dompropst zu Breslau ist, postuliert werde, daß deshalb den Vornehmsten des Stifts Versprechungen gemacht werden etc.133 Eine höhere kirchliche Karriere ist aber für Don Matthias nach Ansicht von Kaiser Matthias in Österreich schwierig, weshalb er seinen Neffen dem König von Spanien ans Herz legt. Der Kaiser schreibt dem König im Oktober 1613, daß Don Matthias gerne ein kirchliches Leben führen würde, was aber hier ausgeschlossen scheine, dabei sei er besonders begabt, fromm und eifrig im Studium. Ein halbes Jahr später wendet er sich nochmals an König Philipp III., damit dieser für Matthias eine provisio aut aliquod beneficium finde. Don Matthias habe die besten Eigenschaften und ecclesiastico vitae instituto sese plane dedit et accomodat [...] Est enim ea modi aetati, quae vigesimum annum superet.334 Nachdem zwei kaiserliche Schreiben nach Spanien nicht den gewünschten Erfolg bringen, versucht im November 1614 Don Matthias selbst sein Glück und bittet von Graz aus den einflußreichen Minister Don Baltasar de Zuniga um Fürsprache.335 Trotz Verweis auf die beiden kaiserlichen Schreiben erreicht er aber auch nichts. Im Jahr 1615 meldet Pater Bartholomäus Villeri dem Kardinal Khlesl, daß Don Matthias eine vitam optimam et sanctam agit und absolvet suum cursum cum summo honore. Khlesl wiederum kann dem Kaiser nit genug rühmen die Frömmigkeit, Gottseligkeit, hohe Vernunft und Verstand von Don Matthias, der allberait laudabiliter cursum Philosophiae absolvirt [...] 336 Seit dem Jahr 1615 erhält Matthias aber auch eine Ausbildung in der geometrischen Fortifikation und Perspektivkunst durch den Ingenieur Nikolaus Ulrich.337 Anscheinend hat Matthias eine militärisch-weltliche Karriere vorgezogen - sehr zum Mißfallen des Kaisers. Dieser lehnt nämlich ein Gesuch von Matthias um eine Erhöhung seines Deputats mit den sehr deutlichen Worten ab: Weißen aber er Herr Marggraf sich aus dem Geistlichen Stand, darinnen Ir Kay. Mjt. 332 BHStA, Kasten schwarz 8696, fol. 2r. Freundliche Mitteilung von Frau Dr. Hilda Lietzmann. 333 Briefe und A c t e n : Bd. 11, S. 764. 334 HHStA, Staatenabteilung (StA), Hofkorrespondenz, Karton 3, Mappe 18, fol. 13 und 32. 335 HHStA, StA, Spanien, Dipl. Korrespondenz, Karton 14, Mappe 286, fol. 5 f. 336 HKA, Nö. HA, G47D, fol. 415-424. 3,7 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 105-107 52