Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Seit 1605 ist Matthias bei Krauseneck297 und aus diesem Jahr gibt es vom bayrischen Agenten Bodenius einen ersten Bericht über Don Matthias: Beide Söhne des Kaisers sind noch hier [...] der Jüngere ist etwas schöner und holdseliger, sie sind beide bei dem Krauseneck in des Liechtensteins Garten.29* Im Oktober 1606 fallen die Ranfts, also die Mutter und der Stiefvater von Matthias in Ungnade, trotzdem bleibt Matthias in der Obhut von Krauseneck. Vielleicht wächst er dort gemeinsam mit der um 3 Jahre älteren Halbschwester Carolina und dem kleinen Bruder Karl auf. Trotz der kaiserlichen Ungnade erhalten die kaiserlichen Söhne am 2. Dezember 1606 die Legitimatio, Marchionatus et Armorum concessio. Das heißt, an diesem Tag werden die unehelichen Söhne von Rudolf II. legitimiert, erhalten ein Wappen und den Titel eines Markgrafen. Wieder heißt es, daß Rudolf den Sohn Matthias von einer ledigen, freien und ehrbaren Frau empfangen habe.2'79 Bis zum Jahre 1607 hat Krauseneck alle Unkosten für den Unterhalt von Matthias getragen, weil dieser die meiste Zeit bei ihm verbracht hat. Er scheint auch die Erziehung von Matthias zu leiten - dies entnehme ich seinem Schreiben an Rudolf II.: demnach Herr Matthies herzuwächst und ein ziemlich progress in studiis hat, bitt er gehorsamst, sich in fremde Länder zu verschicken.'00 Tatsächlich gibt Kaiser Rudolf II. seine Erlaubnis, daß Matthias zur Perse- quirung seiner Studia nach Italien gehen darf. Atems und Stralendorf haben für ihn Perusia ausgesucht. Freiherr Hermann von Attems, geheimer Rat und zeitweiliger Obersthofmeister von Rudolf II. und der einflußreiche Reichsvizekanzler Leopold von Strahlendorf erwirken beim Kaiser eine Resolution, daß Krauseneck den Don Matthias in die Universitätsstadt Perugia führen darf.’01 Die Reise wird gut vorbereitet: Im September 1607 befiehlt Rudolf II. dem Reichspfennigmeister Welser, daß er Krauseneck einen Wechsel über 3000 Gulden ausstellen soll, den dieser in Italien einlösen kann, denn Krauseneck wird in geheimen, wichtigen Geschäften, daran uns sehr viel gelegen, in Italiam geschickt.* 500 501 502 * Die Geheimhaltung scheint zu gelingen - der venezianische Resident in Prag berichtet fälschlicherweise, daß Krauseneck am 6. November nach Rom reisen will.505 Doch der Kaiser ist wankelmütig: am Abend vor der Abreise überbringt der geheime Rat Andreas von Hannewald an Krauseneck den kaiserlichen Befehl, Matthias nur nach Italien zu führen 297 HHStA, FamA, Karton 84, fol. 38-42. 29* BHStA, Kurbayem Äußeres Archiv 4449, fol. 274 f. Dieses Wissen verdanke ich Frau Dr. Hilda Lietzmann. 299 HHStA, RHR, Restitutionales, Fz 1, fol. 246-255. 500 HHStA, Lang-Akten. Karton 6, Konv. C, fol. 187. 501 HHStA, FamA, Karton 84, fol. 33-37. 502 HKA, HF, r. Nr. 126 505 Briefe und Acten : Bd. 6, S. 101. 45