Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. willig ein Ende und geht seitdem als Gespenst auf dem Hradschin um.2“ 1612 will Ranft die Stelle eines Inspektors der Tier- und Lustgärten282 283 284, was ihm aber nicht gelingt; dafür ist er zumindest seit Jahresbeginn 1614 Hofdiener von Erzherzog Maximilian und des ganzen Hauses Österreich. 284 Mit seiner ausständigen rudolfinischen Besoldung wird er von König Matthias, der damit nicht weiter belästigt werde möchte, an die böhmische Kammer verwiesen.285 286 Am 1. Februar 1616 finden wir ihn im Prager Schloß; anläßlich der Krönung von Kaiserin Anna zur Königin von Böhmen sind auch Don Matthias und Don Karl anwesend. Sie nehmen Ranft als ihren Rat auf und versprechen ihm ein Jahresdeputat von 300 Talern in Ansehung seiner adeligen Redlichkeit, gutten Dugent, Ehrbarkeit, auch die Wohlverhaltnus und langwierige Treu, ansehenliche bei Tag und Nacht mühsame Dienste. Er hat unsem Herrn Vattem [...] in dero Kammer und Hofdienerdienst 38 Jahr lang dreu bis in dero Ks. Mjt. Gruben [...] und auch uns beiden Herrn Marggrafen nun edtli- che Jahr höchst - und bestmöglichen Fleisses und ansehnliche würkliche Dienst geleistet und ist erbüetig hinfüro gehorsambist zu erzaigen [...] Er soll Heimlichkeiten, die er weiß oder erfahren hat [...] niemandem offenbaren.2813 Ranft ist offenbar flüssig, denn er hat fur Don Matthias ein Porzellan-Gießbecken für 200 Taler besorgt.287 Nach eigenen Angaben aber nagt er am Hungertuch, weil seine Ausstände an rudolftnischer Besoldung noch immer offen sind. Er schreibt an die Hofkammer, daß er große Not leide. Er hat Schulden machen müssen, um sich, seine Frau und die Kinder von der vorigen Frau, sowohl auch der jetzigen durchzubringen. Sie haben über 3 000 Daher seither lr Mjt Dott [Tod] paar verzehrt, auch daneben in große Schulden, neben Versetzung meiner Pfänder, geraten.288 Kaiser Matthias befiehlt zwar, daß die finanziellen Forderungen Ranfts erfüllt werden sollen289 *, doch die Zahlung schleppt sich über die Jahre und Jahrzehnte dahin.™ Ranft, seine Frau und die Kinder wohnen weiterhin im eigenen Haus im Prager Schloß und 1621 setzt Don Matthias seinen Eltern und ihren vielen kleinen unerzogenen Kindern jährlich 300 Gulden zu ihrer besseren Unterhaltung aus.291 Die zahl282 Chroust, Anton: Aus den letzten Tagen des Kaisers Rudolf II. In: Österreichische Rundschau 14 (Wien 1908), S. 373. 283 HKA, HF-Prot. w. Nr. 637, fol. 284. 284 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 72 und 82 f. 285 HKA, HF, r. Nr. 165, 1616 Apr 30. 286 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 74. 287 Ebenda, fol. 71 und 80 f. 288 HKA, HF, r. Nr. 165, 1616 Apr 30. 289 HKA, HF, r. Nr. 170, 1617 Jun 19. 29,1 HKA, Nö. HA, W61A/36B, fol. 957. 291 HKA, Konv. Don Matthias , fol. 58. 43