Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper gehalten, denn Carolina und ihr Gatte wenden sich brieflich und persönlich an ihn. Im März 1620 schreibt der Erzherzog an Carolina, daß er das, was ihm der Gatte selbst mündtlich vorgebracht nicht vergessen hat. Er will auch alles tun, um ihre Wünsche zu erfüllen. Dann fahrt er fort: Es ist Euch unverborgen, daß wir hiebevor noch jederzeit nit allein diß Euer Begerrn undt Prätension für gantz billich undt rechtmäßig gehalten: sondern darin auch Euch, aus gnädigsten zue besagten Graffen und Euch gefasten Affection, alle guten fürder- sambe Assistenz zu mehrermalen anerbotten haben, als khünnet Ihr Euch nochmalen fuergewissert haben, daß Uns nichts liebers, dann ob wie in solicher Eurer Prätension Euch guete Officia laisten [...]143 Diesen freundlichen Worten folgen aber keine Taten. Als der Graf Cantecroy von Ferdinand II. wenigstens den Fruchtgenuß der 100 000 Gulden, d.h. bei 5 % Zinsen jährlich 5 000 Gulden fordert, will ihm Ferdinand die Herrschaft Beifort im habsburgischen Sundgau - sie bringt jährlich 5 000 Gulden - übertragen. Doch dagegen wenden sich die Regierung Vorderösterreichs und Erzherzog Leopold. Cantecroy soll mit 5 000 Gulden aus anderen Quellen - aber nicht mit Einnahmen seines Gebietes - entschädigt werden. Im Juni 1620 werden Cantecroy dann als Zinsen jährlich 5 000 Gulden aus den obderennsischen Gefallen zugesagt.'44 Damit ist aber über das Hauptgut noch nichts entschieden. Nach der Schlacht am Weißen Berge werden zahlreiche böhmische „Rebellengüter“ neu verteilt. Im Herbst 1621 sucht Carolus de Borday, der Agent von Cantecroy in Wien, namens seines Herrn bei Fürst Karl Liechtenstein, dem zuständige Gewalthaber in Böhmen, um ein heimgefallenes Gut zur Befriedigung seiner Forderungen an. Der antwortet aber nur, daß diese Güter nicht verschleudert werden könnten - erstens braucht man sie zur Kriegführung, außerdem müßten die Witwen und Waisen daraus contentirt werden l45. Drei Jahre später wendet sich Carolina an den Fürsten Dietrichstein, der die mährischen Rebellengüter zu vergeben hat. Sie hat anscheinend mehr Glück, denn sie bedankt sich für seinen Einsatz hinsichtlich ihrer Mitgift.146 Im Jahre 1625 hat Carolina vom kaiserlichen Fiscus 215 000 Gulden zu fordern; diese Summe wird ihr auch anerkannt. Bald danach erhält sie dafür - unter anderen - drei Rebellengüter in Mähren. Nämlich von Johann Felix Potstatzky die Güter Podenstatt und Liebenthal (Wert: 70 000 Gulden) und von Wratislaw Zestwolowa das Gut Drahnowitz im Wert von 7 000 Gulden.147 Im Jahr 1628 verwendet sich wieder die Infantin Isabella bei Ferdinand II. für Carolina. Unlängst sei deren Bruder Don Carlos ab Austria ohne Aufrichtung eines Testaments gestorben. Als seine Schwester und nächste rechtmäßige Erbin bean143 HKA, HF, r. Nr. 180, 1620 Jun 10, fol. 7-8. 144 HKA, HF, r. Nr. 180, 1620 Jun 10, fol. 1-14. 145 HKA, HF, r. Nr. 183, 1621 Sep 10, fol. 1-6. 146 HHStA; Familienkorrespondenz, Karton 48, fol. 1-2 des Konvoluts Carolina d’Austria. 147 HKA, HF, r. Nr. 380, 1663 Jän 22, fol. 10. 26