Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

Stadt der k. u. k. Monarchie Triest hervor. Der Mythos der Triestiner Geistigkeit dient der Verdeckung der großen sozialen Unterschiede und der Unterstützung der Avantgarde angehören zu wollen. Triest, ob seiner Kleinheit war Trägerin der Merkmale des liberalen Kapitalismus, und die italienische Einigung ein politischer Prozeß demokratischer Massenbewegungen. Außerdem kann nach Meinung des Verfassers der einzelne Künstler, ausschließlich Männer, anhand der Interaktion zu den anderen Künstlern und Kollegen erklärt werden. Zum Beispiel: Hugo von Hofmannsthal, der den Reiz des Sexuellen, und die „Lustfeindschaft und Furcht vor der Sünde; die Faszination des Fremden, Exotischen, des eventuellen Lustge­winns und die Angst davor, und schließlich die Projektion der eigenen Wünsche und Ängste auf den Anderen, ...“ (S. 110) in seinem Werk vereinigt. Karl Kraus wiederum charakterisiert Dvofák als Künstler, die sich besonders mit der Proble­matik der jüdischen Identität auseinandergesetzt hat, die weltlich einen Beitrag zur Modernisierung leistet. Überhaupt liest sich die Übersicht wie ein Einführungsbuch in die Moderne: die negativen Konsequenzen und Bewältigung in der Zeitung, die Fackel von Karl Kraus nachzulesen. Schnitzler, als Autor der jüdischen Erfahrun­gen, Haltungen und Verhaltensmöglichkeiten etc., die mit den Idealen der Aufklä­rung Zusammentreffen müssen. Der Weg ins Freie ist die Charakterisierung der sozialen Verhältnisse und Verhaltensmechanismen um 1900, einer antimodemen Wiener Gesellschaft, die keinerlei Urbanität, oder Parteipolitik duldete. Sabine Stadler, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen Polleroß, Friedrich (Hrsg.); „Die Erinnerung tut zu weh.“ Jüdisches Le­ben und Antisemitismus im Waldviertel. Mit Beiträgen von Burghard Gaspar. Hom-Waidhofen/Thaya 1996 (Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes 37). 416 S. Umfangreich und reich bebildert ist die Geschichte von Niederösterreich, und insbesonders des Waldviertels und seiner Juden seit der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Im Vergleich zu anderen Geschichten der Moderne in Vorarlberg, Salzburg und Wien ist die Geschichte der Juden in Niederösterreich von einer star­ken Quellenlage und von zahlreichen Einzeldarstellungen geprägt. Die Wirkung der Nürnberger Gesetze auf das Zusammenleben ab 1935, wird als eine rapide Verschlechterung des wirtschaftlichen Lebens der Juden im Waldviertel berichtet: Betriebsschließungen, Abwanderung und Ausweisung, sowie aktive Vernichtung ab 1938. Die Einzelschicksale der Familien Spira, Gutmann und Biegler, die Ver­nichtung der Juden in den KZs und die Errichtung von Arbeitslagern in Nordnie­derösterreich werden minutiös dargestellt, sowie der gesamte Prozeß der Arisie­rung. Diese Ereignisse sind lange schon durch die publizistische Arbeit in den antisemitischen Massenmedien vorbereitet worden. Polleroß berichtet vom Mas­324

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