Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Ring verehrt.117 118 Immerhin hat sich die Ausgabe gelohnt. Am 1. März 1607 erhält sie in Prag ihre Legitimatio cum insignium concessione, also die Befreiung vom Makel der unehelichen Geburt und Verleihung eines Wappens. Das Wappen zeigt den Bindenschild, auf dessen silbernem Balken der mit einer Krone geschmückte Reichsadler liegt."* Sie nennt sich nun Donna Carolina ab Austria, Marchionissa sacri Romani imperii. Wieder lesen wir die formelhafte Wendung, daß der Kaiser sie von einer ledigen, freien und sonst ehrbaren Frau empfangen habe.119 Es sollte allerdings noch einige Zeit vergehen, bis sie die große Ausfertigung der feierlichen Urkunde in Händen halten kann - denn eine solche mußte mit einer Goldbulle gesiegelt werden. Unglaublicherweise bereitete die Aufbringungen von 40 Dukaten für eine Goldbulle Schwierigkeiten - und dies bei einem Bestechungsgeld von angeblich 30 000 Talern. Der Amtsweg ist mühsam: Der Taxator bei der Hofkanzlei schreibt dem Hofkammerpräsidenten Jörger, daß er dem Kammergoldschmied Moy den Befehl erteilt habe, vier goldene Bullen anzufertigen. Jörger befiehlt dann dem Hofzahlmeister Hueber für die Goldene Bulle der Frau Marchesin Carolina von Österreich 40 Dukaten zu überweisen. Der beteuert jedoch, keine 40 Dukaten auftreiben zu können.120 Der Goldschmied muß bis zum Frühjahr 1610 auf sein Geld warten - dann erst zahlt der Hofdiener Ranft die Goldbulle und die Kanzleitaxen.121 Nach der Legitimierung steht der Heirat nichts mehr im Wege. Am 5. Dezember 1607 wird in Prag der Ehevertrag zwischen der Markgräfin Carolina d’Austria und dem Grafen Cantecroy unterzeichnet122 und im Februar 1608 findet in Prag die große Hochzeit statt. Über sie berichtet Peter de Vischer, der Agent von Erzherzog Albrecht am Kaiserhof, an seinen Kollegen Hans Jakob Fleckhammer: Dass der Graf von Contecroy den 10. dies zu Prag seine Hochzeit gehalten, wird [wird Ihnen bekannt sein], 1st gar stattlich zugangen. Ir Mt. Camerhem haben ihm, die Truxessen ihr und die Hofdiener bei Tisch aufgewartet. Ir Mt. haben die Liste der Eingeladenen selbst revidirt, etliche ausgethan und andere, so nicht geladen, drunter Han- niwal einer gewest, mit Weib und Kinder wieder anstatt gesetzt.123 Mit anderer Leute Geld kann man leicht stattlich feiern: Der Bankier Lazarus Henckel mußte für den Hochzeitsschmuck von Carolina nicht weniger als 3 883 117 HHStA, Lang-Akten, Karton 7, Konv. A, fol. 46v. 118 Gebh ard: Genealogische Geschichte. Bd 2, S 474 119 HHStA, RHR, Restitutionales, Fasz. 1, fol. 246-255. 120 HKA, HF, r. Nr. 130, 1608 Mrz 28, fol 1-11. 121 HKA, HF, r. Nr. 185, 1622 Jän 18 = Konv. Don Matthias, fol. 59+73. 122 HHStA, Habsburgisch-Lothringische Familienurkunden Nr. 1514 (Ehevertrag Prag 1607 Dezember 5: fehlt seit 19331). Eine Abschrift erliegt ebenda, Ältere Zeremonialakten, Karton 1, fol. 421-426. 123 Briefe und Acten : Bd. 6, S. 213. 23