Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. bewilligt worden waren.38 39 40 41 Anscheinend aber war das Kloster von dieser Zahlung ohnedies befreit, denn im Jänner 1617 legt der Kaiser für die Abzahlung der 6 000 Gulden einen neuen Auszahlungsmodus fest: In einer Liste, die vermerkt, wer wie­viel für die nächsten 6 Jahre (bis 1622) aus der Geistlichen Kontribution empfan­gen soll, ist für das Jahr 1621 die Schwester Elisabeth Konstantia im Königin­nenkloster als Empfängerin vorgesehen. In Abschlag der ihr angewiesenen 6 000 Gulden (in Zahlungen von 400 Gulden jährlich) soll sie 2 400 Gulden, also die Gebühr für 6 Jahre, erhalten. Für das Jahr 1622 werden ihr - bzw. ihrem Klo­ster - dann wieder 400 Gulden zugesagt.™ Bei dieser Geistlichen Kontribution handelt es sich um eine besonders sichere Einnahme: Die Prälaten von Niederöster­reich haben sich persönlich zu einer Zahlung von 40 000 Gulden jährlich für die Dauer von 10 Jahren (1613-1622) verpflichtet. Das Geld ist für den Hofstaat des Kaisers und der Kaiserin, für Kardinal Khlesl und andere hochrangige Würdenträ­ger und Gnadenempfanger reserviert, später auch für Rudolfs unehelichen Söhne Don Matthias und Don Carolus. Ob Schwester Constantia die tatsächliche Auszahlung ihrer Mitgift an ihr Kloster noch erlebt hat, ist fraglich, denn sie verschied 1624 an den Pocken.4" 33 Jahre lang, so schreibt die Klosterchronik, lebte sie der Religion, in Gehorsam, Demut und Armut und starb 1624 in ihrem 44. Lebensjahr.*' 2. Don Julius Caesar 1585-1609 Zerrbild zwischen Niedrigkeit und Größe Sechs seiner unehelichen Kinder hat Rudolf II. legitimiert. Don Julius ist sein Ältester. Diese Tatsache gilt als allgemein gesichert, obwohl es auch ältere Präten­denten gab. So berichtet um 1590 ein Ungenannter (Wolf Rumpf?) an Erzherzog Karl in Graz über einen Baron Montlong, der sich als natürlicher Sohn von Ru­dolf II. ausgibt. Der Ungenannte glaubt ihm aber nicht: Indem er altershalben also beschaffen, daß niemals fürkommen, daß Ir. Mjt. so alte Söhne haben, da man doch von den anderen wohl weiß [...] von seiner Mutter tut er gar kein Meldung [...] ist sicher ein Betrüger.42 Franz Grillparzer hat dem Kaisersohn ein literarisches Denkmal gesetzt. Er läßt ihn im 4. Akt des Bruderzwistes sprechen:43 38 HKA, Hoffinanz [in Hinkunft: HF], Protokolle [in Hinkunft: Prot ], weiße Nummer [in Hinkunft: w. Nr ] 667, föl. 382r 39 HKA, HF, rote Nummer [in Hinkunft: r. Nr.] 169, 1617 Jän 21, fol. 1-6. 40 Gebhard: Genealogische Geschichte, Bd 2, S. 474. 41 HHStA, HS Blau 418, S. 849 f. 42 HHStA, Familienakten [in Hinkunft: FamA], Karton 84, Konv. 5, fol. 20-23. 43 Sauer, August: Grillparzers sämtliche Werke. 20 Bde. Stuttgart 1892, hier Bd. 9, Seite 92. Grillparzer läßt ihn die Worte im Zusammenhang mit dem Einfall des passauischen Kriegsvolkes sprechen - da ist Don Julius aber schon seit zwei Jahren tot. 9

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