Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen freundschaftlich Beziehungen zu einzelnen Juden unterhielt und auch gelegentlich in deren Familien verkehrte. Sein Antisemitismus hielt sich in den in der Luegerzeit in Wien üblichen Grenzen. Stärker war damals seine Abneigung gegen die Tsche­chen. Seine unsystematische Lektüre erschöpfte sich nicht nur mit Lanz von Legenfels, sondern auch mit anderen Rassentheoretikern und Welterkärern, wie Guido von List, Hans Goldzier, Arthur Trebitsch und Otto Weininger, auch Hanns Hörbiger mit seiner Welteislehre. Sie alle sind mit ihren Einflüssen auf Hittier in gewisser Gren­zen nachweisbar. In einem ausführlichen Exkurs befaßt sich die Verfasserin mit dem Begriff „entartet“. Er reicht in seinen Wurzeln in den Darwinismus zurück, dessen Einfluß auch bei marxistischen und sozialdemokratischen Denkern (z.B. Kautzy, Tandler) zu bemerken ist. Hier hat der Pariser Korresponden der „Neuen Freien Presse“ Max Nordau, ein aus Ungarn stammender deutssprachiger Jude den späteren Nazis ein Schlagwort geliefert, das inzwischen allerdings einen Bedeutungswandel unterworfen sein sollte. Eine vollständige Enthüllung der von Hitler später eifrig verdeckt gehaltenen Ele­ment seiner abgeschloßenen „Weltanschauung“ ist nach Hamanns Meinung nicht möglich. Vorherrschend war bei ihm in Wien sein Mißtrauen gegen die universitäre Wissenschaft. Sein Weltbild zimmerte er sich aus einem wirren Sammelsurium sek­tiererischer Thesen, alles Bruchstücke, die erst später in Deutschland, vor allem auf der Grundlage eines geistig perversen Antisemitismus ausreiften. Die in Wien belä­chelten Hirngespinste sollten erst 31 Jahre später im kriesengeschüttelten Deutschen Reich grausige Verwirklichung erfahren. Aus den Wiener Jahren läßt sich laut Ha­mann Hitlers historische Karriere jedenfalls nicht ableiten und schon gar nicht be­gründen. Nach Österreich kehrte er erst als erfolgreicher deutscher Reichskanzler zurück. Die Aufnahme dieses historischen Werkes ist in der österreichischen Publizistik eher zurückhaltend. Man sucht dessen wissenschaftlichen Ergebnis bestenfall nach den Alten herkömmlichen Klischees zu mißdeuten oder beurteilt sie abschätzig, bestenfalls als ein frommes Wünschbild. Die Wirkung in der Zunft der wissen­schaftlichen Zeitgeschichte muß erst abgewartet werden. Hamanns Resultate passen so wenig in die seit mehr als einem Jahrzehnt vorherrschende Richtung des Austro- masochismus. Auf jeden Fall wird es jetzt wieder mehr die Aufgabe sein, die weitere Biographie und geistige Entwicklung Hitlers zu erforschen, vor allem die noch völlig unerforschte kurze erste Münchner Zeit und ganz besonders die Kriegsjahre bis Pasewalk und zur großen und welthistorischen fatalen Wende der Rückkehr nach München nach dem Krieg. Rudolf Neck, Wien 543

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