Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794
stolzes der betroffenen Gegenden und Länder bilden. In unserem südlichen Nachbarland wurde sogar ein Fluß vermännlicht, weil er an der Verteidigung des Vaterlandes teilnahm und bis in die heutige Zeit lernen die Schulkinder das Lied von der Legende um diesen Fluß. In Großbritannien etwa, bis hinauf nach Schottland findet man viele Namen auf diesen Denkmälern und niemand käme auf die Idee, den einen oder anderen Kriegstoten als imperialistischen Mitläufer zu bezeichnen, weil er am Khyber-Paß oder bei Isandlwhana im Zululand für „König(in) und Vaterland“ sein Leben ließ. Bei uns ist das etwas anders. Waren es die Gedenken um die Beteiligung von Österreichern im 2. Weltkrieg, die zu - durch verständlichen - Diskussionen führten, so geht dieser Band den großen Schritt weiter zurück in der Geschichte und versucht, die Gedenken an die früheren Konflikte damit in Verbindung zu bringen und das generelle Gedenken an Kriegstote unterschwellig ins negative und sogarextrem formuliert - teilfaschistoide Fahrwasser abzudrängen. Die einzelnen Beiträge sind dabei sehr unterschiedlich gestaltet und reichen von beschreibender Beobachtung der Zeitvorgänge bis hinein in eigenständige aktive Meinungsbildung. Der immer spürbare Grundtenor und Ausgangsfaktor war sicherlich die Befassung mit der Zeit des Nationalsozialismus, welchem dann die „Vor-“ und „Nachzeit“ vor- und hintangestellt wurde. Nach Meinung des Rezensenten wird aber, gerade in der „Vorzeit“, über das Ziel hinausgeschossen. Dem Zeitgeist entsprechend lebten die Menschen des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts noch mit dem Begriff „Krieg“ als allgegenwärtigem Faktum, ganz anders wie sich bei uns die jetzige Generation Militäraufmärsche der Supermächte in den Massenmedien ansieht, dazu aber im Gedanken die Gewißheit haben kann, daß den eventuellen Krieg heute andere fuhren werden. 1918 kamen die Männer dann aus dem ersten großen Krieg nach Hause, nur um schon auf den Bahnhöfen festzustellen, daß dort diejenigen, denen das Frontdasein erspart war oder die es geschafft hatten, „hinten“ zu bleiben, ihnen teilweise handgreiflich beibrachten, was man von ihrem ehemaligen Einsatz hielt. Heute, nach vielen weiteren politischen Turbulenzen sprechen wieder etliche - davon erstaunlicherweise viele „Nicht-Österreicher“ aus den seinerzeitigen Nachfolgestaaten, daß damals die „Heimat“ verteidigt wurde und es nachher niemand würdigte. Es dauerte einige Zeit, bis man vergleichbar zum nicht nur faschistischen Ausland begann, den Toten des großen Krieges Gedenken zu widmen, wobei die einfache Namensnennung am Kriegerdenkmal die Verwandten in vielen Fällen sicherlich mehr rührte als organisierte militärische Gedächtnisfeiern. Der Organisator dieser österreichischen Rückbesinnung wird im Ausland immer wieder als das erste (blutige) Opfer im Kampf gegen Adolf Hitler beschrieben, hier aber nur als „Austrofaschist“ abgetan, der am Beginn eines Kultes steht, der eigentlich erst nach seinem gewaltsamen Tod begann und den dann ein noch härteres Regime mit einem Denkmalsturm endete. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen 537