Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor Zedtwitz besuchen und mit ihm nach Karlsbad und Klattau reisen, nach Böhmen gekommen. Der böhmische Landeschef Wallis gab dem Ellbogener Kreishauptmann Ritter Josef von Schüller55 am 21. März den Auftrag, bis zum Einlangen einer Wei­sung von Sumeraw Lanzac-Chaunac „auf das sorgfältigste mit aller Bescheidenheit und unvermerkt, jedoch dergestalt zu beobachten, daß keiner seiner Schritte der Kenntnis der Regierang entgehe“. Dem ging ein Bericht des Kreiskommissärs Pro- chazka über Lanzac-Chaunac voraus, den wir im Anschluß besprechen werden. Wallis gab auch Anweisung zur Behandlung der zu erwartenden Wägen mit Waren, und den Auftrag, zu erheben, wie sich das Egerer Festungskommando habe anmaßen können, dem Grafen Lanzac-Chaunac einen Paß auszufertigen und wieso der Karls­bader Magistrat diesen Fremden nicht zur Vorlage eines Passes angehalten habe. Sumeraw wollte dann am 23. März, daß die ganze Angelegenheit mit größtmögli­cher Vermeidung aller Publizität behandelt werde und man daher die Sache mit der Paßerteilung einstweilen auf sich beruhen lasse.56 Die beiden Grafen Lanzac-Chaunac trafen am 9. März aus Bayreuth kommend in Asch ein. Ludwig erhielt am 12. März den Paß in Eger und hielt sich ab 13. März in Karlsbad auf. Eine Woche später, am 19. März, legte bereits der Ellbogener Kreis­kommissär Prochazka das Ergebnis der ihm aufgetragenen Untersuchung vor. Lud­wig Graf Lanzac-Chaunac halte sich seit 13. März im Wirtshaus „zum goldenen Ochsen“ auf und sei ein artiger und gebildeter junger Mann. Nach seiner Angabe arbeite er jetzt, weil ihm die versprochenen Gagen nach Auflösung des Regiments Zweiffel nicht bezahlt worden wären, mit dem Ascher Kaufmann Johann Hagen und durch diesen mit dem Obristen Baron von Wimmer zusammen und befinde sich jetzt hier, um einige mit Glas und anderen Waren beladene Wägen statt nach Asch nach Tschemoschin zu dirigieren. Auf die Frage, warum er dazu nötig sei, gab er trocken zur Antwort, daß man darüber Hagen und Wimmer fragen müsse, worauf ihn Pro­chazka in ein anderes Zimmer bat und erklärte, daß er im Namen der Regierung da sei und daß Lanzac-Chaunacs Aussage nicht haltbar sei. Prochazka nehme einen lebhaften Anteil an seinem Schicksal und dem aller anderen königlich-preußischen Offiziere und eben durch diese Versicherung glaube er, Anspruch auf volles Ver­trauen zu haben. „Nach diesen und ähnlichen längeren Gesprächen ergriff der Graf des Gefertigten Hand und sagte heftig: Ich halte sie für einen ehrlichen Mann, werden sie mir ihr Ehren­wort geben, daß sie Niemandem das sagen wollen, was ich ihnen entdecken werde, so sollen sie Sachen von der größten Wichtigkeit und ein Geheimnis erfahren, wovon das Leben von Tausenden [ab]hängt.“ Prochazka versprach dem Lanzac-Chaunac, offenbar auf dessen Drängen, alle Verfügungen von Wallis in dieser Angelegenheit nur durch ihn an Lanzac-Chaunac bekanntzumachen. Dieser merkwürdige Wunsch findet vielleicht in einem später erwähnten Brief des Bruders August Lanzac-Chaunac seine Erklärung. Dann schreibt Prochazka etwas, was Einblick in die Seele eines damaligen Beamten gibt: 55 Schüller war zuvor für die Inspektion der Kurgäste von Teplitz zuständig. Von September 1808 bis Juli 1810 war er Direktor der Polizeioberdirektion in Wien. 56 AVA, PHSt 1274/zzz/1807. 344

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