Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor kann das Fichtelgebirge das Foyer des allgemeinen Aufstandes werden“, schrieb Götzen am 8. März dem König. Und weiter hoffte er auf Aktionen in Sachsen und von den Pommerschen Freikorps (gemeint vor allem das von Hirschfeld), die schon bis in die Lausitz gestreift waren. Wenn sich diese mit den fränkischen und sächsi­schen Aufständischen vereinigten, wären die Franzosen von allen Resourcen abge­schnitten. Und Götzen glaubte, ein allgemeiner Aufstand in Deutschland könne Preußen ohne Österreichs Kriegsbeitritt retten. In einem Memoire für den englischen Gesandten in Wien vom 10. März meinte Götzen: „In allen Provinzen Deutschlands wimmelt es von entlassenen und ranzionierten Solda­ten, so sind z.B. im Bayreuthischen die Soldaten von zwei preußischen Regimentem un­ter Anführung sehr guter Offiziere bereit, auf den ersten Wink etwas zu unternehmen, und wirklich wird jetzt alles dazu eingeleitet“, und gab an, daß man zum Teil bereits Waffen besorgt habe, wovon einige noch in den hier und da zerstreuten Depots lägen.38 Bein verließ also am 2. März Wien und fuhr, mit einem Schreiben vom Grafen von Finkenstein und einem Schreiben von Graf Götzen an Gentz versehen, nach Prag, wo er Gentz über den Zweck seiner Reise informierte und ihn bat, eine Emp­fehlung durch Polizeioberkommissär Eichler zu verschaffen, damit er, Bein, in Asch gut aufgenommen werde. Daß Bein sich ausgerechnet von Eichler eine Unterstüt­zung erwartete, zeigt wie falsch er die Situation und die Loyalität der österreichi­schen Beamten einschätzte. Außerdem gab ihm Gentz einen erbetenen Brief an den Rittmeister von Bose in Dresden. Bein in Asch - die Brüder Lanzac-Chaunac Am 7. März verließ Bein Prag mit einem am Vortag nach Bayreuth vidierten Paß und kam am 9. in Asch an, wo er sich beim Postmeister einquartierte und eine unan­genehme Überraschung erlebte. Der Postmeister hielt nämlich Bein, der sich als Kaufmann Johann Hagen ausgab, weil er, wie er angab, als Redakteur der „Bayreuther Zeitung“ „proskribiert“ sei, für einen Kommissär, der den beiden Gra­fen Lanzac-Chaunac Unterstützung für deren Vorhaben brächte. In seinem Tagebuch schrieb Bein, er habe unrichtig gehandelt, die Grafen Lanzac- Chaunac aufzusuchen. Die Lanzacs seien junge unbesonnene Leute, von denen das Gerücht gehe, einen Aufstand im Bayreuthischen anzetteln zu wollen. Es ist die Rede von einem törichten Unternehmen, das man Tollhäusler-Projekt nennen könn­te. Die beiden Brüder, die Grafen August und Ludwig Lanzac-Chaunac, gehörten zum Kreis der Offiziere des Regiments Zweiffel, die sich von ihren Vorgesetzten in Hinblick auf die Kapitulationsvereinbarungen von Erfurt und Magdeburg, die vom Feinde nicht gehalten wurden, getäuscht fühlten, und sich deshalb berechtigt sahen, trotz gegebenen Ehrenwortes wieder zu den Waffen zu greifen, allerdings nicht ohne 38 L i o n n e t: Erhebungspläne, S. 83, 85; W i e s e - K a i s e r s w a 1 d a u : Götzen, S. 99, 133. 332

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