Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor Entsprechend lautete die Antwort des Kaisers an Sumeraw. Auch der simulierte Kauf der 3 000 Pferde sei nicht zulässig, sollte es sich jedoch größtenteils um gute, leichte Kavalleriepferde handeln, oder wenn sie so billig zu bekommen wären, daß die nicht für die Armee geeigneten Pferde ohne Verlust weiterverkauft werden könnten, so könne ein Einkauf stattfinden.10 Ein zu diesem Zwecke nach Nachod gesandter Major konnte wegen ihres schlechten Zustandes nur 272 Pferde ankaufen. Viele Pferde waren schon vorher von den nach Österreich desertierenden Begleitper­sonen an Private verkauft worden.11 Gentz verfaßte nach der Zusammenkunft mit Götzen im Schloß Nachod eine lange Denkschrift, in der er dem Kaiser empfahl, den noch uneroberten Teil Schlesiens in Besitz zu nehmen.12 Ähnlich argumentierte auch Generalquartiermeister Generalma­jor Anton Mayer von Heldenfeld. Beide meinten, es ginge um die uneingeschränkte Herrschaft über ganz Europa. So wie sich England durch seine ungeheuren Besit­zungen sich des Reichtums der anderen Erdteile bemächtigt habe, wolle Frankreich sich der Einfuhr dieser Reichtümer in Europa bemächtigen, um wenigstens das Mo­nopol des Commerce interlope13 von ganz Europa zu gewinnen. Derzeit befände sich auf dem Kontinent nur mehr eine Macht, die zwischen beiden Interessen Hindernisse aufbauen könne und das sei Österreich. Die Neutralität würde für Napoleon nur solange gelten, bis er in einem Land den Sieg errungen habe, dann werde er die Neutralität des anderen Landes aufheben.14 Der Kaiser lehnte jedoch jede Verletzung der Neutralität Österreichs ebenso ab, wie eine von Stadion Ende Dezember 1806 vorgeschlagene Volksbewaffnung. „Faschingstreiben“ in Braunau Unmittelbar nach dem Treffen mit Gentz und Eichler meldete Götzen dem König, es bedürfe nur eines Funkens, um nahezu in ganz Deutschland das Feuer des Auf­standes emporlodern zu sehen. Napoleon werde verloren sein, wenn es ihm nicht gelinge, Deutschland im Zaume zu halten.15 Aufgrund der ständigen Berichte preu­ßischer Kreise von kurz bevorstehenden Aufständen wurde sogar der Ellbogener Kreiskommissär Prochazka, der sich als Mitbeteiligter an einer Ellbogener Fabrik ausgeben sollte, in die größeren Städte Frankens, Hessens und Sachsens geschickt, um die Stimmung des Volkes und dessen Meinung über ihre Regenten, über Frank­reich und Österreich zu erkunden und über etwaige Unruhen und ausgebrochene Aufstände, über die Politik und den Handelsverkehr zu berichten.16 Am 8. 2. 1807 berichtete Prochazka: 10 Österreichisches Staatsarchiv, Wien, Allgemeines Verwaltungsarchiv (in Hinkunft: AVA), Polizeihofstelle (in Hinkunft: PHSt) 1328/a/1807; KA, Kriegsministerialakten (in Hinkunft: KMA) 1807, 789 - 1, 261. 11 AVA, PHSt 1328/d/l 807. 12 Fournier: Studien, 2. Reihe, S. 138-152. 13 Schleichhandel, Schwarzhandel. 14 KA, AFA, Kt. 1378, 1807/1/6 und 1807/3/4, 4a, 6. 15 Lionnet: Erhebungspläne, S. 51-54; Hopfner: Krieg, 2. TI., 4. Bd., S. 134f.; Wiese-Kaisers- wal d au: Götzen, S. 94, 101. 16 AVA, PHSt 1304/d/l 807. 316

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