Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)

Monika Lehner gedauert als erwartet - und es war damit unmöglich, das Palais des Gesandten für Herbst 1897 bezugsfertig zu machen39. Rosthorn engagierte unmittelbar nach dem Kauf einen Aufseher für das Terrain, „weil uns sonst die Bäume umgeschlagen, die Mauern abgetragen und selbst die Erde gestohlen werden würde. Die Kosten sind minimal und ich habe die Aufsicht einem ver­lässlichen Manne, der zugleich Gärtner ist, übertragen“40. Mit dem Rest des für den Grundstücksankauf bewilligten Kredites - es waren £ 1734.14.9 verblieben - finanzierte Rosthorn den Bau einer Umfassungsmauer um das gesamte Grundstück41. Im Kaufvertrag war lediglich der Bau einer Mauer an der Süd- und der Ostseite festgesetzt, um die Grundstücksgrenzen deutlich zu machen - eine Maßnahme, die an der Nordseite und der Westseite, wo das Grundstück an Straßen grenzte, nicht unbedingt notwendig war. Rosthom begründete den Bau der Mauer mit dem selben Argument wie die Anstellung des Wächters: mit der Angst vor Dieben. Den raschen Baubeginn begründete er mit den günstigen Preisen im Frühjahr: „Da die Mauer auf alle Fälle gebaut werden muss, scheint es mir vortheilhaft sie so­gleich zu bauen, einmal, weil wir auf unserem Grunde allerlei verwerthbares Baumaterial besitzen, welches hierzulande trotz Aufsehers vor Dieben nicht sicher ist, und ferner, weil die Baubedingungen momentan viel günstiger sind, als sie in zwei bis drei Monaten sein werden. Die Preise sind zwar nicht mehr so günstig wie vor zwei Monaten, werden aber mit jedem Monat weiter steigen, bis sie im Herbst wieder zu fallen beginnen. Ich kann daher heute noch einen verhältnismäszig günstigen Contract abschlieszen und glau­be diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen zu sollen“42. Innerhalb von drei Monaten (April bis Juni 1897) wurde die Umfassungsmauer errichtet: „Die Gesammtlänge der aufgefuhrten Mauer beträgt, innen gemessen, 1327.2 chin. Fusz [418,068 m]. Die Mauer ist auf einem Fundament von 4 Fusz Breite [1,26 m] und 3 Fusz Tiefe [0,945 m] erbaut. Sie hat eine Höhe von 12 chin. Fusz [3,78] über der Erde, und eine Breite von 2 Fusz [0,63 m] an der Basis und 1.6 Fusz [0,504 m] unter dem Da­che. Sie ist auf der Nord- und der Westseite mit Ziegeln gedeckt, auf der Süd- und der 39 E b e n d a, fol. 76r. 40 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/17, fol. 57'. (Rosthom an MdÄ, N° VI, Peking 1897 März 31). 41 Um die (nachträgliche) Genehmigung dieser Maßnahme ersuchte Rosthom am 31. März 1897 (HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/6, fol. 57r_59v. Rosthom an MdÄ, N“ VI, Peking, 1897 März 31. Beilage ad Gohichowski an Czikann, Erlaß N° 23633/2, Wien 1897 Juni 1.) Die Genehmigung erteilte das Ministe­rium mit Erlaß vom 1. Juni 1897 (HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/6, fol. 56r: Gohichowski an Czi­kann, Erlaß N° 23633/2, Wien 1897 Juni 1). 42 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/17, fol. 57r. (Rosthom an MdÄ, N° VI, Peking 1897 März 31). Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten waren die Bauphasen sehr begrenzt, worauf schon Wydenbruck hingewiesen hatte: „Ich habe, was die Modalitäten eines Baues in Peking [Beijing] betrifft, dortselbst mit Fachleuten Rücksprache gepflogen und in Erfahrung gebracht, dass die beste, eigentlich einzig mögliche Zeit, um den Bau zu beginnen, der Anfang des Monats März ist. Im Winter kann wegen der grossen Kälte nicht gebaut werden, ebenso von Ende Juni bis Ende August, welches die Regenperiode für Peking ist. Ein Anfangs März begonnener Bau könnte bis Ende Juni unter Dach sein, das Haus wäre im Oktober bezieh­bar, jedoch sollten die Tapeten erst im Frühjahr des folgenden Jahres angebracht werden, ...“. HHStA, AR, Fach 6/68, 6-Peking-l/5 (Wydenbruck an MdÄ, N° XVI, Tokio 1896 Mai 13. Beilage ad MdÄ an Boleslawski; Z. 27035/2, Wien 1896 Juni 27). 132

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