Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 ein im Juli 1919 gemachtes Offert Italiens, alle k. u. k. Missionspalais zu kaufen, auch auf das Londoner Gebäude bezog, ist nicht feststellbar. Die Gesandtenkonfe­renz hatte im Jahre 1919 den Wert des Mietvertrages auf nur 16 000 LSt. geschätzt, also 3 200 LSt. weniger als der aliquote Anteil für die restliche Laufzeit bis 1952. Die Wertsteigerung und die 1892 und 1911 auf Kosten Österreich-Ungams vorge­nommene Vergrößerung des Hauses um 7 Kanzleiräume waren dabei nicht berück­sichtigt worden. Die Haltung der britischen Regierang gegenüber dem verwaisten Botschaftspalais der untergegangenen Monarchie war für Österreich sehr hilfreich. Der französische Botschafter in London Jules Cambon, berichtete im Februar 1920 seiner Regierung, die gerade das ehemalige k. u. k. Botschaftspalais in Paris, das Hotel Matignon sequestriert hatte, daß cet immeuble se trouve encore confié á la garde de la legation de Suéde et aucune mésure speciale n 'a été prise ä ce sujet. Le gouvernement britannique n ’a pas l 'intention d'intervenir au sujet de cet hőtel ou de son contenu'01. Am 12. Juli 1920, einen Monat vor Eintreffen des ersten österreichischen Diplo­maten in London, teilte die ungarische Gesandtschaft dem Ballhausplatz mit102, daß die kgl. ungar. Regierung mit der Inbesitznahme des Gebäudes ... in London durch die österreichische Regierung unter der Bedingung einverstanden ist, daß der der kgl. ungarischen Regierung zufallende Anteil an dem Schätzwerte des Mietrechts des gesam­ten Gebäudes nach Feststellung des Schlüssels für die Aufteilung der gemeinsamen Akti­ven und Passiven sichergestellt werde. In Betreff der Einrichtung ... die kgl. ung. Regie­rung den ihr zufallenden Anteil von 36,4 % der Einrichtung in London in natura zu erhal­ten wünscht... Von besonderem Interesse ist ein Bericht von Kanzleidirektor Aurel Poppauer vom 29. März 1920103: Eine der in allen Hauptstädten fühlbaren Folgen des Weltkrieges ist... die Wohnungs­not und das Emporschnellen der Wohnungspreise ... Die Nationalstaaten, welche als ,assoziierte“ Mächte in der Lage waren, in den Hauptstädten der Ententestaaten seit vie­len Monaten nach Häusern für ihre Vertretungsbehörden Umschau zu halten, haben ... bereits s. z. in der Gesandtenkonferenz die Absicht kundgegeben, die von den k. u. k. Missionen früher bewohnten Palais zu erwerben ... Dem Staate Österreich wird bei die­ser Konkurrenz und bei der Beschränktheit der verfügbaren Mittel wohl kaum möglich sein, viele dieser Palais zu übernehmen imd es wird sich empfehlen, frühzeitig daran zu denken, welche Missionen für Deutschösterreich die wichtigsten sind, sowie ob für diese Missionen in den alten Palais brauchbare und preiswerte Unterkünfte geschaffen werden können ... Poppauer kam zum Schluß, daß wer immer das Palais (zu dem von Gesandtenkonferenz festgelegten Preise von LSt. 16 000) erwirbt, bekommt ein Objekt, das bedeutend höher bewertet werden dürfte ... In denkbar günstigster Lage (nahe dem königl. Palais, dem Auswärtigen Amte, der deut­schen, russischen, amerikanischen und französischen Botschaft), in einem der vomehm­Ministere des Affaires Etrangéres, Archives et Documentation, Autriche 1919-1929. AdR Wien, BMfAA, Neue Administrative Registratur [NAR], F 6 Palais London, Verbalnote der ungarischen Gesandtschaft Wien, ZI. 3692/1920. AdR Wien, BMfAA, 14-HP, Liquid. Sachdemobilisierung 61, Bericht Nr. 71-A von Poppauer aus London an Staatsamt für Äußeres („Erwerbung des Palais der ehemaligen Botschaft in London“) vom 29. 3. 1920. 29

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