Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen Nationalsozialismus, Krieg, Kriegsende und Gefahr geführt und sich gleichzeitig in differenzierter Weise mit dem Problem der historischen Verantwortung von Frauen auseinandergesetzt. Im abschließenden Beitrag „Österreichische Literatur von und über Frauen in den achtziger Jahren“ (S. 247-272) legt Klaus Zeyringer eine literaturwissenschaftliche Untersuchung vor, über die „Frauenliteratur, Literatur von Frauen, und ein Bild von Frauen in literarischen Texten.“ In der 1980er Jahren findet erstmals eine verstärkte Thematisierung der Mutter-Tochter Beziehung statt. Der Widerstand gegen die Mutter ist meist ein Widerstand gegen die traditionelle Rolle der Frau. Ergänzt wird seine Analyse durch einen vergleichenden Blick auf Frankreich. Zusammenfassend kann man sagen, daß das vorliegende Werk nicht nur für Historikerinnen von Interesse ist, sondern auch Pflichtlektüre jeder gesellschaftskritischen Frau (natürlich auch jedes gesellschaftskritischen Mannes) sein sollte. Michaela Follner, Wien Perz, Bertrand: Projekt Quarz. Steyr-Daimler-Puch und das Konzentrationslager Melk. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1991 (Industrie, Zwangsarbeit und Konzentrationslager in Österreich Bd. 3). 524 S. Der am Institut für Zeitgeschichte und am Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes in Wien tätige Historiker Bertrand Perz zeigt in dieser umfassenden Studie die Geschichte des Konzentrationslagers Melk auf. Ab April 1944 waren unter dem Decknamen „Projekt Quarz“ über 15 000 Häftlinge gezwungen, nahe bei der Stadt eine unterirdische Rüstungsfabrik für die Firma Steyr-Daimler- Puch zu bauen. Dem Unternehmen, welches in der NS-Ära binnen kurzem durch die Rekrutierung von Zwangsarbeitern und KZ-Insassen zu einem der führenden Rü- stungskonzeme avancierte, war es dadurch möglich, die Rüstungsproduktion vor den Bombardements der Alliierten geschützt fortzusetzen. Melk war kein Vernichtungslager, dennoch gingen im letzten Kriegsjahr über 5 000 Menschen infolge Mangelernährung, rücksichtsloser Behandlung und unerträglicher Lebens- und Arbeitsverhältnisse zugrunde. Der Autor widmet sich zunächst der Steyr-Daimler-Puch AG in seiner Entwicklung vom Anschluß bis 1941, als dieses Unternehmen zu einem Rüstungsbetrieb umgebaut wurde. In einem zweiten Schritt wendet er sich dem Zeitabschnitt von 1941 bis 1943 zu, in dem das Unternehmen durch Zwangsarbeit expandieren konnte. Sehr ausführlich schildert Perz die unterirdische Verlagerung der deutschen Rüstungsindustrie im Zuge der Luftangriffe und die Verlegung von Produktionszweigen der Steyr-Daimler-Puch AG und der Flugmotorenwerke Ostmark in diverse Stollen bei Melk. Das Projekt Quarz wird von Planung, Organisation und Durchführung her detailliert dargestellt. Weg von der planerischen-konzeptionellen Ebene geht Perz sehr präzise auch auf die Lage der Häftlinge, ihre materielle Situation, den Lageralltag und die Zwangsarbeit sowie die Krankheitszustände und den Tod der Zwangsre312