Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
chen bedarf die Glasdecke des Ganges einer Reparatur, da sie nicht mehr wasserdicht ist ,..82 Die Gesamtkosten von 166 LSt. für die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden von Wien genehmigt. Im Jahre 1911 wurde die bestehende Haupt-Telefonanlage der Botschaft auf acht Sprechstellen erweitert. 1913 schlug Mensdorff wieder ein umfassendes Reparaturprogramm für die nächsten Jahre vor83. Im Empfangsraum im 1. Stock war eine Erneuerung der festoon-blinds, „die beim Putzen geradezu zerfallen sind und deren Schäden bei dem jüngsten Besuch Seiner k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Ferdinand nur mit Mühe verborgen werden konnten“, unaufschiebbar, weiters waren die Sitzmöbel in der Bibliothek mit Leder zu überziehen. Da das Gebäude zuletzt 1910 gestrichen worden war, sollte 1915 wieder ein Anstrich des Hauses vorgenommen werden. Im Speisezimmer waren neue Vorhänge und neue Lederüberzüge für die Stühle erforderlich. Für 1914 schlug Mensdorff vor, mit der Galerie in den Empfangsräumen im 1. Stock und der Küche zu beginnen, was von Wien genehmigt wurde. Die „Gesellschaft für Heizung und Lüftung“ in Wien IV., Gußhausstraße 4, setzte sich als Bestbieter gegen eine Londoner und eine Pariser Firma durch und erhielt den Auftrag, die Küche zu liefern. Die Kücheneinrichtung wurde am 17. Juli von Wien nach Rotterdam geliefert, und am 5. August 1914 von der k. u. k. Botschaft London übernommen - zu spät. Graf Mensdorff sollte nicht mehr in den Genuß der neuen Küche kommen. Während des Ersten Weltkriegs wurden die dringendsten Reparaturen durch die Botschaft der USA bzw. die schwedische Gesandtschaft vorgenommen, wie z. B. 1918 Reparaturen an einem Dachbalken bzw. Entfernung pilzbefallenen Holzes im Parterre. Rudolf Agstner IX. Der Dienst an der k. u. k. Botschaft Constantin Dumba, letzter k. u. k. Botschafter in Washington, der im Jahre 1881 als Attache provisorisch nach London entsandt worden war und dort fünfeinhalb Jahre blieb, erinnert sich in seinen Memoiren an idyllische Zustände84: ... waltete bei uns eine gewisse Arbeitsteilung vor. Unsere Botschaft zählte zwei Ho- norarattachés, den Grafen Karl Kinsky und den Grafen Kaunitz, beide Träger großer Namen und ausgezeichnete Reiter, welche die Fuchs- und Schießjagden mitmachten, von Schloß zu Schloß eingeladen wurden und nur ab und zu auf die Botschaft kamen, um ihre Post abzuholen oder nach London zu einem Hoffest fuhren. Sie repräsentierten in sozialer Hinsicht die Botschaft in glänzender Weise ... Ich hing sehr an dem Posten in London, wußte aber, daß ich nur durch konzentrierte Arbeitsleistungen mein Provisorium auf einige Jahre ausdehnen konnte ... HHStA Wien, AR, Fach 6/87, Bericht Nr. XCV-E an MdÄ vom 13. 10. 1911. Ebenda, Bericht Nr. CV-H an MdÄ vom 18. 12. 1913. Dumba, Constantin: Dreibund- und Entente-Politik in der Alten und Neuen Welt. Wien 1931, S. 6 f. 24