Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
beleuchtet Hanák die spezifische Wiener Situation des Fin de siede und jene Budapests und vergleicht sie miteinander. Auch die folgende Abhandlung - „Der Aufbruch Endre Adys“ (S. 157-183) in der Hanák der Ambivalenz der ungarischen Sezession am Beispiel der beginnenden Laufbahn des Dichters nachspürt, ist thematisch der traditionellen Kulturgeschichte zuzuordnen. Die beiden letzten Abhandlungen - „Mentalität und Symbolik der agrarsozialistischen Bewegung“ (S. 185-201) und „Volksbriefe aus dem Ersten Weltkrieg“ (S. 203-241) - fuhren abschließend in einen völlig anderen Bereich ein, das ungarische Volksdenken und seine Ausdrucksformen. Beide sind somit Beiträge zur Mentalitätsforschung verschiedener - insbesondere benachteiligter - ungarischer Bevölkerungsschichten. Abschließend darf noch festgehalten werden, daß Hanáks Aufsatzsammlung auch zur Gänze den Intentionen der Herausgeber der Reihe „Kulturstudien bei Böhlau“ entspricht, die ihrerseits bestrebt sind, „die oft künstliche Kluft zwischen Alltagsund Hochkultur zumindest zu verringern“ (Vorwort). Herbert H. Egglmaier, Graz Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen Pesendorfer, Franz: Lothringen und seine Herzoge. Im Zeichen der drei Adler. Graz-Wien-Köln: Styria Verlag 1994. 207 S., 21 Abb. Zu Unrecht stand der Lothringer Franz Stephan lange Zeit im Schatten seiner Frau, der „Kaiserin“ Maria Theresia. Das wurde von der historischen Forschung mittlerweile zwar korrigiert, doch über seine Vorfahren ist nach wie vor wenig bekannt. Auch historisch Interessierte wissen meist nicht, daß Kaiser Franz I. Stephan der 27. Herzog seines Hauses in Lothringen war. Mit Ausnahme seines prominenten Großvaters, des Türkensiegers Herzog Karl V., wurden die oft beeindruckenden, nicht selten aber auch tragischen Herrscher Lothringens in der historischen Literatur kaum berücksichtigt. Diese Lücke schließt das vorliegende Buch des bekannten österreichischen Historikers und exzellenten Habsburg-Kenners Franz Pesendorfer. Es verfolgt den Weg der Dynastie von deren Anfängen 1047/48, als sie die Herzogswürde erhielt, bis zum Jahr 1737, in dem der letzte Herzog Franz Stephan anläßlich seiner Heirat mit der Habsburgerin Maria Theresia Lothringen gegen die Toskana eintauschte und damit die drei lothringischen Adler zum österreichischen Bindenschild traten. Die Nachkommen Franz Stephans regierten Österreich-Ungarn bis zum Schicksals jahr 1918. Seine Vorfahren stehen im Mittelpunkt dieser kompakten Geschichte Lothringens. In Zeit- und Lebensbildern der insgesamt 27 Herzoge spannt der Autor aber gleichzeitig auch einen Bogen über 700 Jahre europäischer Geschichte. Zu Beginn seiner Ausführungen skizziert Franz Pesendorfer das „historische Dreieck Nancy-Wien-Florenz“ in der Absicht, die teilweise „vergessenen“ Beziehungen 305