Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen der bisherigen Forschung, wobei Fritz Fellner die „Perspektiven für eine historiogra- phische Neubewertung des Deutschen Bundes“ einfordert, während Hellmut Seier dem Deutschen Bund „als Forschungsproblem 1815 bis 1960“ nachgeht, wobei die Zäsur 1960 äußerst willkürlich wirkt. Im zweiten Schwerpunkt werden Aspekte der Bundesverfassung von Wolfram Siemann („Wandel der Politik - Wandel der Staatsgewalt“), Frank Th. Hoefer („Der Strukturwandel der Öffentlichkeit1 im Spiegel der politisch-polizeilichen Untersuchungen Metternichs“), Robert D. Biliinger jr., der sich mit „Metternich, Frederick William IV, and the German Confederation during the War Scare of 1840-41“ beschäftigt, Lothar Höbelt, dessen militärgeschichtliche Fragestellung um die „Corpseinteilung und Aufmarschpläne im Vormärz“ kreist, und Peter Burg („Triaspolitik im Deutschen Bund“) behandelt. Dem „Wandel der sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ sind die Aufsätze von Hubert Kiesewetter („Region und Nation in der europäischen Industrialisierung, 1815-1871“), Hans- Werner Hahn („Mitteleuropäische oder kleindeutsche Wirtschaftsordnung in der Epoche des deutschen Bundes“) und Helmut Rumpler („Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch1 als Element der Bundesreform im Vorfeld der Krise von 1866“) gewidmet. Im abschließenden Kapitel „Deutscher Bund und Europäische Ordnung“ beleuchten Wolf D. Grüner den „Bund und die europäische Friedensordnung“, Enno E. Kraehe den Bund in seinem Verhältnis zu Österreich und Rußland zwischen 1813 und 1820, Paul W. Schroeder den Bund im europäischen Umfeld der 1860er Jahre und schließlich Michael Derndarsky Österreichs Situation zwischen Preußen und Deutschland. Die Mitarbeiter des Bandes, sie stammen aus Österreich, „Westdeutschland“ und den USA, sind einschlägig ausgewiesen, stimmen sichtlich in der grundsätzlichen Beurteilung des Bundes überein1. Der preußisch-österreichische Dualismus und das Dritte Deutschland treten dabei deutlich hervor. Weniger akzentuiert erscheint hingegen die aggressive preußische Politik vor allem nach 1849, in der zunehmend deutlich wird, daß aus der ursprünglichen „deutschen“ Mitteleuropakonzeption ein Hegemonialstreben hervortritt. Aus einer Friedensordnung heraus wird die Aggression von 1864 unter dem Banner eines angeblich notwendigen Schutzes „deutscher“ Interessen von jenem Staat propagiert, dessen „Deutschtum“ erst von den bezahlten Propagandisten des 19. Jahrhunderts erfunden worden ist. Österreich, das in dieser Situation ein Militärbündnis mit Preußen schloß, verstieß gegen das föderalistische Prinzip des Bundes und ebnete damit Bismarck den Weg für 1866, bzw. 1870/71. Dieter A. Binder, Graz 1 Zwei der Referate, die auf der Tagung, die diesem Band vorausging, gehalten wurden, sind bereits 1988 in der Historischen Zeitschrift (HZ) publiziert worden. Es handelt sich dabei um den Part, der von den Kollegen aus der DDR getragen wurde. Bleiber, H.: Der Deutsche Bund und die Geschichtsschreibung der DDR. In: HZ 248 (1988) S. 33-50; Mü 11 er, H.: Deutscher Bund und deutsche Nationalbewegung. In: HZ (1988) S. 51-78. 301