Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555

REZENSIONEN Rumpler, Helmut (Hrsg.): Innere Staatsbildung und gesellschaftliche Mo­dernisierung in Österreich und Deutschland 1867/71-1914. Historikerge­spräch Österreich - Bundesrepublik Deutschland 1989 [Eine Veröffentli­chung der Österreichischen Forschungsgemeinschaft], Wien: Verlag für Ge­schichte und Politik, München: Oldenbourg 1991, 288 S. Wie aus dem Untertitel bereits ersichtlich, handelt es sich hier um einen Tagungs­band, mit dem das „1. Historikergespräch Österreich - Bundesrepublik Deutschland“ in Wien vom 2. bis 4. November 1989 durch den Abdruck von Originalbeiträgen sowie der Wortmeldungen einer Podiums- und Publikumsdiskussion dokumentiert ist. Das Thema, mit dem sich die namentlich angeführten 29 Historikerinnen aus Österreich und der BRD sowie eine Historikerin aus Amsterdam und ein Historiker aus Prag auseinandersetzten, war und ist nicht neu und vor allem ist es mehr oder weniger immer aktuell. Besonders deutlich wurde dies kurz nach dem Ende der Tagung, als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel und in der Folgezeit sich der Eiserne Vorhang öffnete. Zu Beginn der 90er Jahre bildeten sich nach und nach neue Staaten in Osteuropa und auf dem Balkan, Grenzen wurden neu gezogen oder zumindest neu definiert. Staatsbildungsprozesse sind also keineswegs historische Phänomene, sondern gegenwärtige Entwicklungen, die-vor allem wenn sie mit nationalen Fragen verknüpft werden - durchaus sehr problematisch verlaufen kön­nen. Auch die Historikerinnenrunde konnte sich einer Diskussion um den Begriff, um die Kategorie „Nation“ nicht entziehen, was keineswegs so intendiert war. Sollte es doch darum gehen, wie der Herausgeber im Vorwort betont, Antworten auf die Fra­gen zu finden, „in welcher Weise sich ein Staatsbewußtsein manifestierte“, ob sich aus einem solchen „spezifische sozioökonomische Strukturen entwickelten“ und ob sich aus alledem „Elemente einer deutschen bzw. österreichischen politischen Kultur ablesen lassen“ (S. 11). Die Annäherung an diese Vorgaben fand auf verschiedenen Ebenen statt und glückte nicht immer bzw. blieb oftmals auf halbem Wege stecken, zumal immer wieder Begriffe als Hindernisse auftauchten, die zwar leichter zu umgehen als zu beseitigen sind, deren semantische Klärung und Einordnung in den historischen Kontext unabdingbare Voraussetzung ist, um in einen sinnvollen Diskurs zu treten. Gerade solche Probleme jedoch - aber nicht nur - belebten die Diskussion am Ende der Tagung, was aus den erfreulicherweise wiedergebenen Wortmeldungen deutlich wird. 297

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