Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

EDEL, Andreas: Johann Baptist Weber (1526–1584). Zum Lebensweg eines gelehrten Juristen und Spitzenbeamten im 16. Jahrhundert

Andreas Edel men Erlebniswelt Universität schienen konfessionelle Unterscheidungsmerkmale offensichtlich keine vorrangige Bedeutung für die Studierenden gehabt zu haben, ein Umstand, der die in religiösen Fragen eher freisinnige Denkungsart Webers nicht unwesentlich prägte. Unter den Kommilitonen, die während Webers Aufenthalt in Ingolstadt studierten, waren Hochadelige, wie die später regierenden Herzoge Albrecht V. von Bayern” und Ulrich III. von Mecklenburg”, vor allem aber Mitglieder hochgestellter Ge­schlechter des niederen Adels, die mit Weber in seiner Amtszeit als Reichsvizekanz­ler nochmals in Kontakt kommen sollten, wie etwa Markward II. von Berg, der 1575 zum Bischof von Augsburg erhoben wurde55 56 57, der spätere Passauer Bischof Urban III. von Trenbach58 oder Graf Joachim von Ortenburg59. Unter den Studenten bürgerli­cher Herkunft sticht vor allem Timotheus Jung hervor, der später als Reichshofrat in Wien mit Weber eng Zusammenarbeiten sollte60. Nachdem er vier Jahre lang in Ingolstadt studiert hatte, zog Johann Baptist 1545 nach Italien und immatrikulierte sich dort zum Studium beider Rechte an der Uni­versität in Bologna61. Solche Aufenthalte an einer renommierten Rechtsschule im Ausland waren üblicher Bestandteil im Ausbildungsprogramm gelehrter Juristen, zumal an einer Hochschule wie Ingolstadt, deren Lehrkörper und Studienordnung ganz vom „mos italicus“, d. h. dem von der Rechtsschule in Bologna entwickelten Verfahren zur Interpretation der Codices, geprägt war62. Darüber hinaus boten sich dadurch auch Möglichkeiten, Kontakte zu anderen Scholaren oder bedeutenden Juristen zu knüpfen, die bei der späteren Karriere nützlich sein konnten. Schließlich konnte ein solcher Auslandsaufenthalt - wie die sogenannte „grande tour“ von Adelssöhnen bzw. die Wanderjahre der Handwerksgesellen - auch zur Erweiterung des eigenen Horizonts dienen und nicht zuletzt einen gewissen Erlebniswert für einen jungen Menschen haben, der in seinem Leben bislang über Süddeutschland nicht hinausgekommen war. Es ist nicht zu klären, ob Weber in den nun folgenden drei Jahren kontinuierlich in Bologna studierte, ob er wenigstens zeitweise nach Ingolstadt zurückkehrte oder ob er noch weitere Reisen zu anderen Universitäten unternahm, etwa nach Tübingen, wohin sein Vater noch vor der Jahrhundertwende Studienkontakte unterhalten hatte und auch Weber später gute Beziehungen pflegte. Denn Johann Baptist immatriku­55 Immatrikuliert [Imm] im Sommersemester [SS] 1537, Matrikel Ingolstadt 1/1, Sp. 541. Herzog Albrecht studierte bis 1544 in Ingolstadt. 56 Imm. SS 1539, ebenda, Sp. 558. Herzog Ulrich studierte bis 1544 in Ingolstadt. Imm. Wintersemester [WS] 1541, ebenda, Sp. 576; zu ihm neuerdings May, Georg: Die deutschen Bischöfe angesichts der Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts. Wien 1983, S. 257 f. 58 Imm. SS 1542, Matrikel Ingolstadt 1/1, Sp. 583; Bischof von Passau seit 1561, vgl. May: Die deutschen Bischöfe, S. 499—504. 59 Imm. WS 1542, Matrikel Ingolstadt 1/1, Sp. 594. Zu ihm ADB 24 (1887), S. 438-442 (H e i g e 1). Ortenburg ging 1545 im selben Jahr wie Weber zum Studium nach Italien. 60 Imm. WS 1538, Matrikel Ingolstadt 1/1, Sp. 554. Knod, Gustav C.: Deutsche Studenten in Bologna (1289-1562). Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis. Straßburg 1899, S. 612 f. 62 Vgl. W o 1 ff: Juristenfakultät, S. 4, s. auch S. 34. 120

Next

/
Thumbnails
Contents