Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

daher darauf, „nur die dringendst notwendigen Klosett- und Wasserleitungsan­lagen im Gebäude selbst vornehmen zu lassen, wofür ... etwa 5.000 Rubel zur Ausgabe gelangen dürften“. Weiters schlug er vor, den Tanzsaal im Haupttrakte an der Sergejewskaja her- stellen zu lassen, wofür Kosten von 6.889 Rubel entstehen würden '8. Berchtold zufolge erschien dessen Herstellung „durch den Umstand geboten, daß der gegenwärtig als Tanzsaal verwendete Speisesaal in keinem Verhältnisse zu den Anforderungen steht, welche sich aus der Größe der Petersburger Gesell­schaft ergeben, Anforderungen, denen auf den anderen Botschaften - nament­lich der englischen und französischen - in reichem Masse Genüge geleistet erscheint. Der gegenwärtige Speisesaal würde in diesem Falle zu einem Salon adaptiert werden ..." Die Kostenvoranschläge des französischen Architekten Boulanger lauteten auf 22.000 Francs für den Tanzsaal und 23.000 Francs für den Speisesaal* 49 50. Der neue, am 25. März 1911 ernannte k. u. k. Botschafter, Duglas Graf von Thurn und Valsassina hatte andere Prioritäten: ... bauliche Zustand des Hauses insofeme dringend reparaturbedürftig, als die Fassade schon sehr schadhaft ist und auch die meisten Fenster einer gründlichen Reparatur bedürfen ... Ganz schauder­haft ist aber der Zustand der Parterre-Räume, wo die Hauptküche untergebracht ist, sowie das ganze finstere labyrinthartige Winkelwerk, welches die Speisen passieren müssen, um schliesslich zum Speisenaufzug zu gelangen ... Übelstand bestehen, daß die Speisen zuletzt über einen offenen Hof getragen werden müssten; und was das mit dem hiesigen Klima bedeutet, kann man sich ja vorstel­len! Es ist auch hier stadtbekannt, daß bei den Diners auf unserer Botschaft alle Speisen immer kalt auf den Tisch kommen. Nun wäre aber ... die Möglichkeit gegeben, diesem argen Übelstande ganz leicht abzuhelfen, und zwar durch Verlegung der Küche ... Mit seinem Antrag auf Renovierung der Fassade und Fenster begegnete Thurn keinem Anstand, „dagegen ist der Herr Minister mit dem Projekte der Verlegung der Küche nicht einverstanden und hat bemerkt, daß zur Zeit, als er selbst Bot­schafter in St. Petersburg war, die Küche stets klaglos funktionierte.“ Thurn wurde daher gebeten, von einem Anträge abzusehen51. Erst im Frühjahr 1911 kam es zur Durchführung der Kanalisations- und son­stigen Adaptierungsarbeiten, wobei es sich herausstellte, daß auch „... Herrich­ten der sehr defekten Fensterrahmen ... Anstrich der Innenhöfe ... Herrichten der großen Stiege ... Umarbeitung eines defekten Speisenaufzuges“ geboten erschienen. Dadurch ergaben sich Mehrkosten von 12.000 Rubel. Weiters machte der Missionschefwechsel Arbeiten von 2.000 Rubel erforderlich. „Mit Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg HHStA Wien, AR Fach 6/91, Palais St. Petersburg-4/62, ZI. 41.991/2 aus 1909, Bericht (Berchtold) Nr. XXX-K aus St. Petersburg vom 30. April 1909. 49 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/64, ZI. 56.428/2 aus 1909, Bericht (Berchtold) Nr. XLV-0 aus St. Petersburg vom 16. Juni 1909. 50 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/83, ohne Zahl, Thum an Schlechta aus St. Petersburg vom 31. Mai 1911. 51 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/83, ohne Zahl, Schlechta an Thum vom 9. Juni 1911. 13

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