Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

KOWALSKÁ, Eva: Dokumente aus dem Nachlaß von Johann Ignaz von Felbiger

Dokumente aus dem Nachlaß von Johann Ignaz von Felbiger Nr. 6 Testament Johann Ignaz Felbigers Preßburg 1788 April 5 SNA, Bratislava, Bratislavská kapitula, súkromny archív, secretarius-acta, XI, 1788, Nr. 2, fol. 10 (Abschrift). Nachdem die Ferdinandische Sanction, und der bekante Kolonicsische Vertrag denen König. Bene- ficiatis nicht nur die Disposition über das, außer dem Beneficio rechtmäßig erworbene Vermögen, sondern auch den dritten Theil der Verlassenschaft zum Besten der Agnaten, deren ich aber als der lezte meiner Familie keine habe, ausdrücklich gestatten, so habe ich zur Milde Sr. K. K. Majestät das allerunterthänigste Vertrauen, es werde mir gestattet seyn, zum Besten deren, welche mir bey meinen Leben gute, und getreue Dienste, besonders aber in meiner langwierigen lezten Krankheit geleistet haben, von meiner Verlassenschaft folgendes zuzuwenden, und zwar: 1. dem Johann Krause meinem Kammerdiener alle meine Kleider, Leib-Tisch-und Bett­wäsche nebst ein hundér Dukaten. 2. der Köchin zwey hundert Gulden; meinem Bedienten Lehoczky hundert fünfzig Gulden; dem Haus-Meister fünfzig Gulden; dem Kuchelmensch fünfzig Gulden; dann jedem Domestiqen das Bett, worauf sie schlafen. 3. die für die niedere Normal-Schull beschriebene Bücher legire der hiesigen Preßburger Normal-Schull. 4. die Meteorologische, und Astronomische Bücher samt dazu gehörigen Sachen, welche in der Kammer Lineae meridianae sich befinden, samt alldörtigen wenigen Instrumenten, Legire dem Normal-Schull Professor P. Weiß, welcher mir in Nachforschung der Natur-Geschichte dieser Stadt fleißige Dienste geleistet. 5. Folgende meine eigene Bücher, Landkarten, Kupferstücke, und Meublen, welche außer dem Beneficio theils per Industriam, nachdem ich durch höchstseeligen Kayserin Majestät mit einem jährlichen Gehalt von 6000. f. schon vor diesem Beneficio als deren deutschen Schuften Ober- Director versehen war, rechtmäßig erworben, und verschafet, theils geschenkt bekommen, den zwe- en Kollerischen Brüder benantlich, Frantz, und Nikol legire, und zwar a. Meine Bücher, Landkarten, Kupferstücke nebst dem Plan von Preßburg gezeichnet von Femstein. b. Die Bilder, und samentl. Meublen in dem gemachten Gast-Zimmer gegen den Garten, und was im anstossenden Geographischen Kabinet befindlich ist; dannen c. Das Billiard, und was im Billiard-Zimmer dermalen vorhanden ist. d. Den schönen Schreibtisch von türkischen Haßelnuß; zwey Wägen, nebst dem Pferd- Geschier, ledernen Bettsack; ein eisernes, und ein hölzernes zum Zusammenlegen gemachtes Reise­bett. e. Das zu meinen täglichen Gebrauch befindliches weißes Porcellain-Service, die braune Repetir-Uhr aus dem rothen Zimmer. Das zweite Futeral nebst zwölf silbernen Löfel, der Vorleg Kelle, und Messern. f. Die Orangerie, und sämtliche Garten-Sachen. Diese obberührte zu Vermachen halte ich mich desto mehr berechtiget zu seyn, weil ich dieses von eigenem Gelde angeschafet, und größtentheils von Wienn hieher gebracht habe. Diese Sachen sind, in sofern davon nicht ein- oder der andere Bruder etwas zu eigenen Gebrauch an sich nehmen wollte, zu verkaufen, das daraus gelöste Geld zwischen zwey obbemelten Koflerischen Brüder gleich abzutheillen; die Absorge darüber zu übernehmen wird der Herr von Vlassics; und allenfalls auch mein lieber Landsmann, der Buchbinder H. Till höfligst ersucht. 161

Next

/
Thumbnails
Contents