Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

KOWALSKÁ, Eva: Dokumente aus dem Nachlaß von Johann Ignaz von Felbiger

Eva Kowalská Geistlichen nicht erlaubte, seinen letzten Willen in dem Umfang zu erfüllen, wie er es gern gewollt hätte. Deshalb verteilte er noch vor dem Tod einen Teil des Vermögens (vor allem Wertstücke und Möbel) an seine Mitmenschen („Heimische“). Er sonderte auch Gegenstände aus, die angeblich dem Kapitel in Sagan gehörten, sodaß sie nicht in das Nachlaß Verzeichnis gelangten24. Das amtliche Verzeichnis post mortem stellte mobiles Vermögen in Höhe von nur 3307 Goldstücken fest, wovon die Einrichtung des Haushaltes über 930 Gold­stücke betrug, der Wert des Weines, des Pferdes, Futter und Garn erreichte 1258 Goldstücke. Auf über 1000 Goldstücke wurde aber die Bibliothek zusammen mit der wertvollen Kupferstich-, Globus- und Kartensammlung geschätzt25. Die Passiva (Kosten der Beerdigung, Schulden für Arzneimittel und das Gehalt für die Dienerschaft) verringerten den Nettowert des Nachlasses noch auf 880 Goldstücke. Bei der Erwägung dieser Umstände und auch, daß die Kosten für die Reparatur und die Einrichtung der Propstei auch Felbigers Privatersparnisse einbezogen hatten und Joseph II. ihm nicht einmal das verprochene gekürzte Einkommen ausbezahlt hatte, dürfte der ursprüngliche Wert von Felbigers Ver­mögen nicht gering gewesen sein. Das nicht erbpflichtige Kapital sollte auf einer Auktion verkauft und an den Religionsfonds abgeführt werden. Das Kapitel bewarb sich nach eingebürgerten Gepflogenheiten um die Bibliothek, aber dieses Vorgehen wurde im Zusammen­hang mit den neuen Vermögensvorschriften, die für Geistliche galten, ange- zweifelt. Zahlreiche Handschriften der meist schon erschienenen Felbigerschen Werke, die die Bibliothek enthielt, sollten angeblich dem Volksschulinspektor Ignaz Wenger zur Verfügung gestellt werden. Die wertvollen Sammlungen sollten verkauft und nur die restlichen theologischen Bücher in das Vermögen des Kapitels übergehen. Leider erlaubt der heutige Zustand der Kapitelbibliothek nicht mehr die genaue Ermittlung des Inventars und die Schicksale der Felbiger­schen Sammlungen. Dafür gelangten aber Urkunden in das Archiv des Kapitels, die direkt mit Felbiger und seiner Familie verbunden sind. Diese Urkunden, die Felbigers adlige Abstammung und den Erwerb des Indi- genats in Ungarn bestätigen, sind wichtige Dokumente, die die Genealogie des Felbiger-Geschlechtes klarlegen. Die zugängliche Literatur informierte über ihre Existenz26, doch die relative Unzugänglichkeit des Archivs ermöglichte ihr eingehendes Studium nicht. Auf ihrer Grundlage kann man aber Felbigers Stammbaum in der väterlichen Linie um Informationen über seine direkten Vorfahren ergänzen. Seinem Vater, Ignaz Anton erteilte der Kaiser Karl VI. am 14. Dezember 1733 den Ritterrang für Verdienste, die er als Mitglied des Ge­richtshofes, seit 1715 als Fiskal im Fürstentum Glogau bzw. seit 1729 in der 24 Für den Transport dieser Sachen sorgte Benedikt Strauch, ein enger Freund Felbigers. Näheres bei Kowalská: Felbiger, S. 93. 25 Vermögensverzeichnis, vgl. das in Anm. 23 zitierte Dokument. 26 K r ö m e r, Felbiger, S. 5. 150

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