Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43. (1993) - Festschrift für Rudolf Neck zum 65. Geburtstag

KUDERNA, Wolfgang: Die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Oberstleutnant Josef Wächter 1918

Wolfgang Kuderna Flügelbataillons um 5 Uhr 17 den Einsatz seiner Reserve gegen im Rük- ken befindliche feindliche Kräfte gemeldet hatte, ritt Wächter mit einem Melder zum bedrohten rechten Flügel, um sich persönlich ein Rild über die immer bedrohlicher werdende Lage zu machen und um persönlich vor Ort zu führen. Noch vor Passieren des Verfügungsraumes Hochwald traf er auf feindliche Angriffsspitzen, die sofort den Feuerkampf auf- nahmen. Es gelang Wächter, sich abzusetzen. Der glücklicherweise in diesem Moment eintreffenden 19. Kompanie befahl er aus der Bewe­gung das Entwickeln mit zwei Zügen vorne und den sofortigen Angriff. Durch Ausnutzung des Überraschungseffektes gelang das Unter­nehmen, die Russen wurden überrumpelt und aus dem Gefechtsstreifen geworfen. Dadurch konnte der Lysonia-Riegel besetzt und eine weitere Flankenbedrohung ausgeschlossen werden. Laut Gefangenenaussagen handelte es sich bei den geworfenen Kräften um eine Kampfgruppe in der Stärke von zwei Bataillonen.6) DIE ZWEITE WAFFENTAT. DER GEGENANGRIFF BEI KONIUCHY AM 1. JULI 1917 Wie schon 1916 beschloß die russische Führung auch 1917, die West- aliierten durch eine Sommeroffensive zu entlasten. Wie im Vorjahr galt Lemberg als Hauptangriffsziel. Die Heeresgruppe des Generalobersten Böhm-Ermolli sollte der Hauptstoß treffen. Durch Neuorganisation des Nachschubs im sich bereits auflösenden russischen Heer gelang es, die erforderlichen Mengen an Munition und anderen Versorgungsgütern bereitzustellen. Auch eine Großzahl der Soldatenräte der vorgesehenen Verbände erklärten sich zum Angriff bereit. Trotzdem war der Revolu­tionsbazillus nicht mehr aus der Armee zu entfernen, mußte der Ober­befehlshaber der Südwestfront, General Gutor auf Quantität statt auf Qualität setzen. Der Heeresgruppe Böhm-Ermolli waren die Angriffsvorhaben seit Mai bekannt. Es gelang, die feindlichen Truppenmassierungen fast ganz ge­nau herauszuarbeiten. Lediglich die erstmals geschlossen eingesetzte tschechoslowakische Schützenbrigade wurde nicht aufgeklärt.7) Im er­warteten Angriffsschwergewicht beiderseits der Straße Tarnopol - Zbo- row Richtung Lemberg lagen fünf Divisionen der Mittelmächte: am nördlichsten die deutsche 197., dann die 32. und die 19. Infanteriedivi­6) RA, MMTO, Fasz. IV, W 161, fol. 46f. 7) Kuderna Wolfgang, Zur Rerenski-Offensive 1917. Ungedr. PhilDiss d. Uni Wien, Wien 1991, Seite 80. 150

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