Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs

Günther R. Burkert bersteins vor Rar] nach sich zogen. Warum aber waren die Steirer für Deutsch eingetreten? Gerade Herberstein beherrschte acht Sprachen, darunter Latein „wie seine Muttersprache“. Gerade er mußte aufgrund seiner ausgedehnten Gesandtschaftsreisen für Maximilian I. wissen, daß die Antrittsrede nur in Latein gehalten werden konnte. Er muß zu diesem Zeitpunkt allerdings ein Gefangener seiner Instruktion gewe­sen sein, die ihm der steirische Landtag mitgegeben hatte. Seine Di­stanzierung vom Beschluß des Landtages dürfte deshalb auch so deut­lich ausgefallen sein: „Wir hatten auch den austrukhten Bevelch, die Werbung teutsch zu thun. Wiewol ich das nie gelobt, ...“ distanziere er sich von dem Beschluß, „damit ich nit verdacht wurde, soliches meinet­wegen, als ein Lateiner“ zu tun31). Herberstein fühlte sich demnach seinen Auftraggebern verpflichtet, weshalb er auf der Reise stets Deutsch als Sprache bei Hof vertrat. Da die Krainer eine Kopie der steirischen Instruktion erhalten hatten, dürfte der Krainer Ausschuß die gleiche Passage für seine Gesandten verwendet haben. Die anderen Gesandten nützten nun die Zwangssituation für Herberstein aus: Sie pochten umso heftiger auf Latein, als sie wußten, daß sie Herberstein damit verhindern konnten. Michael von Eitzings langes Hinhalten dürfte daher zum Schutz für Siebenbürger initiiert worden sein, der als einziger Städtevertreter wohl unter den sonst adeligen Mitgliedern we­nig Möglichkeiten für eine Rede gehabt hätte. Der Verzicht des Eitzin- ger im letzten Moment machte den Weg für Siebenbürger frei, da sich die Adeligen außerstande sahen, in der Kürze eine Rede vor Karl zu entwerfen und zu halten. P7 Es bleibt abschließend nur das Bedauern, daß sich die Berichte der anderen Gesandten nicht erhalten haben oder zumindest bis heute noch nicht gefunden wurden. Der Bericht Herbersteins, vor allem aber die der Abrechnung ihrer Reisekosten beiliegenden Berichte Auer­spergs und Siebenbürgers lassen den Schluß zu, daß es auch von den Gesandten aus Österreich ob der Enns (wohl Starhemberg) und Kärn­ten (wohl Silberberg) solche Relationen gegeben haben muß. Sie wür­den das Bild dieser für die weitere Geschichte der österreichischen Länder so wichtigen Gesandtschaft noch verfeinern helfen. Zur neuen Sicht reicht wohl auch dieser Bericht Auerspergs und die kritischere Lesung des Herbersteinschen „Abenteuerromans“. 31) Karajan, Selbst-Biographie 72. 44

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