Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs
Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. Dieser kurze Abriß des Auerspergschen Lebens zeigt ein wesentlich späteres Avancement in den landesfürstlichen Dienst, als dies etwa bei Herberstein der Fall war. Ist das als Ausdruck seiner distanzierten Haltung zum Landesfürsten zu sehen? Fest steht, daß sein Bericht auch nicht die einzig „wahre“ Darstellung der Gesandtschaftsreise nach Spanien ist. Es findet sich - genauso wie bei Herberstein - eine Überbewertung der eigenen Person, eine subjektive Darstellung aufgrund seiner Eingebundenheit in die Ereignise, aber auch der Versuch, nicht unmittelbar Erlebtes direkt einfließen zu lassen: Er berichtet wahrheitsgetreu, daß er und Ungnad in Neapel „krank“ zurückblieben, als die anderen die Schiffsreise antraten (fol. dr), doch erzählt er die Abenteuer dieser Seefahrt mit „wir“, obwohl sie ihm doch nur von Schnitzenpau- mer erzählt worden sein dürften. Den gleichen stilistischen Kniff verwendet er auch bei der Wiedergabe der ersten Audienz bei Karl, zu der er nach seiner eigenen Erzählung zu spät gekommen war. Es ist dieses „wir“ deshalb wohl eher für die Gesamtheit der Gesandtschaft zu sehen, weshalb Auersperg in seinem Bericht an den entsendenden Ausschuß auch die Passagen nicht auslassen konnte, an denen er persönlich nicht teilgenommen hatte. IV Das Itinerar im Anhang soll die Überlegungen zum Weg der Gesandtschaft verdeutlichen. Dabei wurde auf die Darstellung des Weges bei der kartographischen Fixierung der Route der österreichischen Gesandten verzichtet, um nicht einen eventuell veränderten Verlauf von Straßen falsch darzustellen. Allerdings liegt die Vermutung nahe, daß die Gesandtschaft größtenteils Handelsstraßen benutzte, die größere Bequemlichkeit bei der Reise möglich machten19). Die Orte werden deshalb auch nur mit der Angabe der Aufenthaltsdaten, sofern sie genau eruiert werden konnten, eingezeichnet. Die Detailbetrachtung der Gesandtschaft zeigt eine starke Zersplitterung. Die Gesandten aus Österreich ob der Enns kamen erst über Verona der Gesandtschaft der anderen vier Länder nach. Dabei fällt auf, daß nach den Berichten des Francesco Mocenigo aus Treviso Österreich unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain über 60 Pferde verfügten, während die Vertreter aus Österreich ob der Enns allein mit 54 wobei auf Seite 160 auch dort Johann VI. von Starhemberg als Gesandter der Stände Österreichs ob der Enns ausgewiesen wird. 19) Siebenbürger schwärmt etwa von den gepflasterten Wegen von Rom nach Neapel; Bucholtz, Geschichte 488. 39