Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

NAUTZ, Jürgen: Österreichische Überlegungen zur wirtschaftlichen Integration Europas und zum europäischen Machtgleichgewicht. Die wirtschaftspolitischen Arbeiten Richard Schüllers im amerikanischen Exil 1943–1950

menarbeit gefunden werden. Österreich, die Tschechoslowakei und Ungarn könnten einem freien Handel zwischen ihren Staaten ohne die Bildung einer Zollunion zustimmen. „Under such a scheme every part­ner has his own tariff and decides on changes of his customs duties, which are applied to commodities imported from other countries, and he negotiates and concludes trade agreements independently. This scheme eliminates the political difficulties inherent in a custums union.. ,“27) Aber die wirtschaftlichen Probleme blieben die gleichen wie bei einer Zollunion. Aber der Freihandel sei für die Nachfolgestaa­ten wirtschaftlich ein Wagnis, dies ersehe man schon aus den Proble­men der Zwischenkriegszeit. Es sei eine politische Aufgabe, diese Pro­bleme zu lösen. Österreich und seine Nachbarn könnten wirtschaftliche Sicherheit nur gleichzeitig mit politischer Sicherheit erlangen. Sein Artikel über Ungarn28) befaßt sich mit den politischen Problemen, die sich aus den Grenzziehungen im Vertrag von Trianon ergeben ha­ben. Diese Grenzziehungen, die einen großen Teil der magyarischen Bevölkerung von Ungarn abtrennten, zu beseitigen, sei ein nationales Ziel in Ungarn gewesen. Letzlich sei dies der Grund gewesen, der Un­garn zur Achse getrieben habe. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe Ungarn kaum eine Chance, Änderungen in der Grenzfrage durchzuset­zen29). „Czechs an Jugoslavs belong to the United Nations and can claim the restoration of their former territories. Only Bumania will be a defeated enemy like Hungary. Rumania, however, will lose Bessarabia and Bucovina to Russia, and can hope that the peace conference, taking account of these sacrifices, will, with Russia’s support, restore her for­mer frontier with Hungary.“30) Die Wiederherstellung der Grenzen von 1958 sei der Weg des geringsten Widerstandes, der wahrscheinlich auch begangen werde. Aber dies werde keinesfalls zur Herstellung von Stabilität und einer Basis für Kooperation im Donaubecken führen. Jede ungarische Regierung werde versuchen, die von ungarischen Mehrhei­ten bewohnten Gebiete wieder an Ungarn anzugliedern. „Friendly rela­tions between Hungary and her neighbors would not be possible, and she would constitue, as she did before, a stumbling block in the way of any efforts towards cooperation in the Danubian basin.“31) Wenn man politische Stabilität und ökonomische Kooperation im Donauraum wolle, könne man an diesem Problem nicht Vorbeigehen. Auch diese Analyse zeigt Schüllers Sensibilität für die politischen Probleme in der Österreichische Überlegungen zur wirtschaftlichen Integration Europas 27) S. 352. 28) Hungary, a Danubian problem. 29) Vgl. im Originalmanuskript S. 45 ff. 30) Im Originalmanuskript S. 46. 31) Ebenda. 349

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