Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1515 tionäre verwahren. Von den Ämtern der Wirtschaftsverwaltung sei jenes im Stiftshof zu Wien stets mit dem Oberkammeramt vereint gewesen und von einem Chorherrn versehen worden; dort würden alle Urkun­den und Grundbücher über Stiftsgüter, die an Privatpersonen verliehen oder verpachtet seien, aufbewahrt, bei Verwaltung des Amtes durch einen Laien sei die Vertraulichkeit nicht mehr gewährleistet. Vollends nachteilig für das Stift sei die Wandlung des Hofrichters zu einem lan­desfürstlichen Funktionär. Ein Ansuchen Hausmannstetters an den Bi­schof von Passau vom 13. September 151495), bei künftigen Streitigkei­ten und Unzukömmlichkeiten im Stift zu intervenieren oder den Offizial damit zu beauftragen, richtete sich ebenfalls gegen die landesfürstliche Bevormundung. Am 8. Dezember 15 1 496) bat der Propst, ihm die Akten und Schriftstücke aus der Zeit des Konflikts, die sich entweder beim Hofkanzler persönlich, in der Hofkanzlei, beim kaiserlichen Sekretär Vinzenz Rockner oder in der Regimentskanzlei befinden müßten, zu­rückzustellen; der Wunsch blieb anscheinend unerfüllt, denn die be­wußten Unterlagen einschließlich fast aller Stiftsrechnungen von 1511, 1512 und aus der ersten Jahreshälfte 1513 sind bis heute verschollen97). Geraume Zeit verging. Am 18. Februar 1516 brachte Hausmannstetter das Anliegen des Stiftes in Erinnerung, nicht etwa beim Kaiser selbst, sondern bei Maximilians Kammerdiener Mathes Hofer und beim Hof­kaplan Hans Pruelmair98). Am 22. März 1516 bat er den bischöflich pas- sauischen Sekretär Philipp Tantzer um Intervention99). Vom Kaiser selbst erhielt der Propst zunächst nur einen politischen Auftrag: er wurde der österreichischen Delegation zugeteilt, die sich anläßlich des Thronwechsels in Ungarn vom 14. März bis 8. Juni 1516 in Ofen auf­hielt100). Erst am 27. September 1516 griff Maximilian in Augsburg die 95) StiAKl. Karton 108 fol.21 Nr. 3 (erstes Konzept 8. September, zweitens 15. Septem­ber). 96) StiAKl, Karton Briefe Hausmannstetters und anderer Pröpste. 97) Verschollen sind insbesondere Unterlagen über die Entscheidung des Regiments nach der Strafexpedition vom 15. Mai 1513 (Anm.47, 54), die Klage der Chorherren und Gegenäußerung des Propstes vor Markgraf Ernst, die Abrechnung vom 29. Juni 1513 (Anm. 60) und die Entscheidung des Markgrafen vom 18. Juli 1513 (Anm. 65, 66). 98) StiAKl. Karton Briefe Hausmannstetters und anderer Pröpste. 99) StiAKl. Karton 108 fol.21 Nr.3. 100) Auftrag des Kaisers vom 17. April 1516 aus Maié bei Cles, Welschtirol, StiAKl. Karton 8 unbez. Faszikel. Zum Aufenthalt in Ofen Hans Ankwicz-Kleehoven Der Ifie- ner Humanist Johannes Cuspinian (Wien 1959) 147. Ankwicz glaubt, daß Hausmannstet- ter damals noch Regierungsmitglied gewesen sei; vgl. jedoch Anm. 82, 83. 37

Next

/
Thumbnails
Contents