Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen
Richard Perger hatte57). Er behielt recht: Zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit kam es nicht. Ernst von Baden nahm keine Rücksicht auf die subtilen Verflechtungen zwischen den Instanzen, schenkte auch den Gegnern des Regiments Gehör, ging zu den Regenten, die ihm „Unlust“ bereiteten58 59), merkbar auf Distanz und ernannte Dr. Siebenbürger, der wegen des Lauffner-Prozesses in erbittertem Streit mit Rottal, Schneidpöck und Genossen stand, zu seinem Diener, um ihn vor Verfolgung zu schützen39). In der Klosterneuburger Affare gab er den Chorherren Gelegenheit, ihre Vorwürfe gegen Georg Hausmannstetter in einer Anklage zu formulieren, dann lud er den Propst, der eine Gegendarstellung vorlegte, für den 29. Juni 1513 zur Verantwortung vor. In der anonymen Klosterneuburger Chronik liest man darüber: „... darumb Khay. Mt. stiffter und vogt des wierdigen Sannd Leopolldts stifft den hochgeboren fürssten marggraven Ernnst zu Paden die Sachen neben anndern irrungen zu hören in das lannd geschickht, der den prellaten umb Petri unnd Pauli nach phingsten in dem dreizehennden jar in raittung erfordert in di purckh zu Wienn in Khay Mt. rayttrettzimer, daselbs hat gedachter prellat vor dem eebestimbten hochge- bornnen fürssten in beywesen des rector unnd etüicher doctores der universitet, des brobst zu Sannd Dorothee zu Wienn, Khay. Mt. raittrett, her Georgen von Rattall, her Albrechtén von Wolfstain, ritter, Larenntzen Saurer, vitzthumb, auch vili annderer personnen, in gegenwurttigkhaint ettlicher brueder aus dem convennt von allen seinem innemen unnd ausgeben von dem aindlefften, zwelfften unnd dreizehennden jaren bis auf Petri und Paulli verrait, darauf ist er in aller hanndlung per rest schuldig worden achtundfünfftzig phund zwen schilling fünf phenning, lautt des auszug, so auf solch rayttung gemacht ist... “60) Bei einem Debet von etwas mehr als 58 Pfund konnte man nun wirklich nicht von einer erheblichen Verschuldung sprechen61); damit war der Hauptvorwurf gegen den Propst hinfällig geworden. Doch dauerte der Konflikt mit den Chorherren fort, wie einem Schreiben Saurers an Sern- thein vom 18. Juli 1513 zu entnehmen ist: „... Dann von wegen der munich hanndlung zu Closterneuburg, das Euer Gnaden solches, dessgleichen meiner gnedigen herren vom regiment schreiben zuekumen, unnd Euer Gnaden furter Kay. Mt. zuegesand und mit allem vleis euer Gnaden darinen sollici- tiern wolt, ainen fuerderlichen beschaid von Irer Kay. Mt. zu erlangen, das warlich die notturft ervordert, dan es ist zu erbarmen, das man den munichen solchen grossen jnutwillenn, so sy bisher getan und treiben, gestatten soll. Dann wo Kay. Mt. mit ernst und straff nicht darein sechen, wurt zu besorgen dergleichen bes hanndlungen vili ersten und gross emperungen etwo Kay. Mt. zu merern nachteil ersten wurden. Nun hat sich mein gnediger herr Margkgrave Ernst, obrister haubtman, ausserhalb des regi57) Vgl. oben S. 22 mit Anm. 54-38. 58) Zur „Unlust“ des Markgrafen über das Regiment siehe Saurers Schreiben von 1513 August in Anm. 69. 59) TLA Maximiliana XIII/256/IX fol. 62: Rockner an Sernthein, 1513 August 8. 60) StiAKl. Anonyme Chronik fol.2v; zitiert bei Ludwig Propst GeorgII. 221 Anm. 1. 61) Der Retrag auch ausgewiesen in StiAKl. Rb 1/9 fol. 4. 28