Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Richard Perger fahrens Beamte des Vizedomamtes, aber auch die Regimentsmitglieder Rottal und Schneidpöck der Annahme von Bestechungsgelder bezich­tigt wurden. Siebenbürger, ein integrer, aber fanatischer und geltungs­süchtiger Mann, ließ die gewünschte Diskretion vermissen. Ganz Wien erfuhr von den Beschuldigungen, Rottal und Schneidpöck mußten sich in aller Öffentlichkeit verteidigen. Als man Siebenbürger die Prozeßfüh­rung entzog und ihn der Verleumdung kaiserlicher Beamter zieh, be­gann er, gestützt auf seine Popularität, gegen das Regiment zu agitieren. Auf Einzelheiten des Verfahrens, das nach Jahren schließlich ohne Ur­teil versanden sollte, kann hier nicht eingegangen werden. Jedenfalls hatte der Ruf des Regiments erheblich gelitten und die Opposition neuen Auftrieb erhalten. Vorläufig wurde kein Nachfolger für den am 11. November 1512 verstorbenen obersten Hauptmann Wolfgang von Polheim32) bestellt. Gegen Beschwerden bei Kaiser Maximilian wehrten sich die Regenten in einem Schreiben vom 17. Jänner 1513 mit folgen­den Worten: „Und nachdem wir vermerkhen, das unnser hanndlung des regiments an grundt durch eüich widerwärttig procurey, des sich in erlernung der Sachen annders dann es fürge- pracht erfunden, tragen wir ab solhen sonndem partheyschen procureyen, dardurch wir gemainklich, auch etlich unser personen, als unns wol vor äugen kummen, verunglimpft werden über unnsern müglichen vleis, nicht klain beswerde... “33) Schließlich entschloß sich der Vizedom Laurenz Saurer zu einer Reise an den kaiserlichen Hof und brach am 21. Februar von Wien auf34); in Augsburg, wo sich Maximilian zwischen 19. März und 20. April auf­hielt35), traf er mit dem Monarchen und dem Hofkanzler Cyprian Sern- thein zusammen. Er konnte zwar eine Audienz Siebenbürgers beim Kaiser36), nicht aber die Ernennung des Markgrafen Ernst von Baden zum neuen obersten Hauptmann des niederösterreichischen Regiments verhindern. Ernst hatte bisher keine Beziehungen zu den östlichen Erb­ländern gehabt, gerade deswegen mochte ihn der Kaiser für geeignet halten durchzugreifen. Saurers Bedenken sollten sich nur zu bald als begründet erweisen37)- Am 25. Mai 1513 war der Vizedom wieder in Wien38). 32) Zum Todesdatum Starzer Beiträge 132. 33) HHStA Maximiliana 29 (Mai — Juni 1513) fol. 136. 34) TLA Maximiliana XIII/256/IX fol. 20: Saurer an Sernthein 1513 Februar 14 Wien.- Die Paßausstellung für Saurer: Hofkammerarchiv (=HKA) Gedenkbuch 18 fol. 198-198v. 35) Kraus Itinerarium 64. 36) CVP 8134 fol. 105; vgl. Kretschmer Studien 52f. 37) Siehe Anm. 56—59, 62-73. 38) Vgl. sein Schreiben vom 26. Mai (s. Anm. 45). 22

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