Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

MIKOLETZKY, Lorenz: „Der Bauern Gott, der Bürger Not, des Adels Spott liegt auf den Tod“. Kaiser Josephs II. langes Sterben aus eigener und fremder Sicht

Josephs II. langes Sterben 19 mir““). In einem Brief vom 13. August 1788 an seinen Bruder liest man unter anderem: „Je suis charmé que votre santé... sóit bonne; la mienne dans ce maudit elimat n’est pas de mérne. J’ai gagné une toux trés-désagréable qui m’affecte la poitrine et me donne íme respiration difficile. Voila prés d’un mois; cela a tout le caractére d’un asthma, les nuits étant les plus mauvaises. Depuis quelques jours il s’y est joint des accés de fiévre qui ont le type de quarte et qui ne sont pas fort violents, point de frisson, mais chaleur et abattement. Je vais pourtant mon train..."12). Der Kaiser hatte sich, wenn nicht die Malaria selbst, so doch eine ähnliche Erkrankung geholt. „Une respiration difficile, qui au moindre mouvement me donne des battemens de coeur et m’empéche absolument d’agir, soit ä pied ou ä cheval...“, außerdem findet sich in diesem Brief vom 20. September an Leopold auch der Satz: „Enfin, je ne sais que vous dire, mon eher ami, sinon que je suis le plus malheureux des étres, moralement et physiquement souffrant tout ce qu’il est possible“13). Und doch bleibt Joseph bei seiner Armee, nicht ohne sein Reformwerk für sein Reich voranzutreiben und vor allem für die Steuer- und Urbarialregulierungs-Verordnung Vorbereitungen zu treffen. Gezwungen, sich mit einer kleinen Kalesche fortzubewegen, beobachtet er die verschiedenen Scharmützel mit den Türken. „Ma santé est toujours de mérne“, meinte er am 7. Oktober und setzte fort: „Aprés avoir pendant trois mois pris tous les remédes possibles sans effet, je me suis décidé ä n’en plus prendre et ä me résoudre ä garder cet asthma sec, quelque pénible et incommode qu’il soit, puisque la respiration est tellement empéchée..."15). Mitte Oktober besserte sich sein Zustand und am 29. stellte er fest: ......je ne suis plus malade, je me p orté mérne bien“ls). Während der Kaiser bei der Armee weilte, waren lediglich vier Grenzbefesti­gungen eingenommen worden: So wurden unter anderem am 24. April in seiner Gegenwart die 65 Kilometer westlich von Belgrad liegende türkische Festung Sabac erstürmt und am 9. August 1788 das türkische Lager bei Dubica erobert. Den von der Bukowina aus operierenden Truppen war die Besetzung von fünf Grenzbezirken gelungen17). Als letzter Erfolg konnte die Erstürmung der türki­schen Stadt und Festung Novi an der Una in Bosnien durch Feldmarschall Laudon am 4. Oktober verzeichnet werden, eine Tatsache, über die der Kaiser sich jedoch nicht wirklich freuen konnte, denn er war, seiner eigenen Meinung zum Trotz, zu krank, um noch Freudengefühle äußern zu können, - die Atembeschwerden waren eine zu große Belastung (......la respiration est plutőt p lus difficile, mais je ne suis point malade et je le souffre avec patience“)18). u) Vgl. Saul K. Padover Joseph II. Ein Revolutionär auf dem Kaiserthron (Düssel­dorf - Köln 1969) 256. 12) Arneth Joseph und Leopold 2 187 f. 13) Arneth Joseph und Leopold 2 194 f. 14) Vgl. dazu Lorenz Mikoletzky Der Versuch einer Steuer- und Urbarialregulie- rung unter Kaiser Joseph II. in MÖStA 24 (1971) 310 - 346. 18) Arneth Joseph und Leopold 2 203 f. le) Arneth Joseph und Leopold 2 207. n) Vgl. Gutkas Josephs Türkenkrieg 272. la) Arneth Joseph und Leopold 2 209. 2*

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