Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547
Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 71 1547 Oktober 8, Konstantinopel Süleymän I. ratifiziert den am 19. Juni 1547 mit Ferdinands Gesandtem Gerhard Veltwyck vereinbarten Friedensvertrag. Osman.-türk. Kopie: Ahmed Ferldün MünSe^ät es-selätin (in moderner dt. Übers.)1) Dies ist die Abschrift des vom Hof seiner Majestät des seligen Sultans Süleymän Hän Gäzi an den König von Spanien* * * * 7 8) und König Ferendüä”) gesandten Schreibens“). Mit dem Segen der gewaltigen Gnade des erhabenen Gottes - gelobt sei Er! - und mit dem Segen der Wundertaten unseres großen heiligen Propheten10), des Ruhmes beider Welten - der Lobpreis Gottes und das Heil seien mit ihm! Platz der erlauchten Tugrab) Ich, Sultan der Sultane, Prüfstein der Monarchen, Verteiler der Kronen unter die Könige der Welt, Schatten Gottes auf Erden, Kaiser und Sultan von Mekka, Medina11), Kuds-i Serif18), Istänbül13), des Weißen Meeres, des Schwarzen Meeres14), Rümeli15), Anatoll16), Rüm17), Karamän18), Dt. Übers., Orig.: HHStA Türkische Urkunden und Staatsschreiben 1547 Juni 19 Adresse auf der Rückseite: FerdinändüS9) kiräla [An den König Ferdinand] Mit genaden des almechtign gotts unndt mit hilff unndt krafft unnsers grosmech- dign heilings10) etc. Ich allerdurchleichdigister, grosmechtigi- ster unndt unuberwuntlichister khaiser und her, der ganzen weldt obrister, und Meche, Medine11), Jerusalem12) Constanti- nopolo13, des weis und shbarzen mer14) und Kriechenland15), Natolie16), Romish landt17), Karamon18), Ersrum19), Digarbe“) Wiener Handschrift H. O. 50 (im folgenden zit. W) stattdessen: Dies ist das Vertragswerk, abgefaßt nach Ankunft des Gesandten des spanischen Königs und des Königs Ferändüä. b) Fehlt in W. 7) Vgl. dazu oben S. 67 und Anmerkungen 95 und 102. 8) So wird Karl V. in osmanischen Quellen üblicherweise bezeichnet, sein Kaisertitel bleibt unerwähnt. 9) Nachfolgend stets mit Ferdinand wiedergegeben. 10) Der Prophet Muhammad. n) Das Gebiet der heiligen Städte Mekka und Medina kam 1517 unter osmanische Hoheit; es wurde auch „Heiligtum des Propheten“ und „Die zwei heiligen Orte“ genannt. 12) Jerusalem (wörtlich „das erhabene Heiligtum“), seit 1516 osmanisch: bildet nach Mekka und Medina das bedeutendste islamische Heiligtum. ls) Seit 1453 osmanisch und Hauptstadt des Reiches. Die häufiger angewandte offizielle Bezeichnung lautet „Kostantiniye“. 14) Keine Verwaltungseinheiten; gemeint sind die Inseln und Küstengebiete des Mittelmeeres bzw. des Schwarzen Meeres. 15) Das „Römerland“, erstes und wichtigstes Eyalet (= Provinz) des Osmanischen Reiches. Es umfaßte die europäischen Gebiete, ausgenommen die im folgenden genannten, später eingerichteten Provinzen (Verwaltungshauptstadt Sofia). 16) Anadolu, zweites Eyalet des Osmanischen Reiches, so wie Rumeli unter Sultan Muräd I. (1360-89) eingerichtet; umfaßte alle bis 1402 osmanisch gewordenen Provinzen im Nordwesten Kleinasiens (Ankara). 17) Eigentlich „Rom“, um 1395 zum ersten Mal erobert, seit ca. 1520 Eyalet (Sívas). 18) Um 1390 zum ersten, 1466-73 zum zweiten Mal erobert, Eyalet seit 1483 (Konya). 19) Eigentlich „Römerboden“: 1514 osmanisch, Eyalet seit 1534 (Erzurum).