Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

MIKOLETZKY, Lorenz: Zehnter Internationaler Archivkongreß Bonn 1984

424 Lorenz Mikoletzky ende nach Amerika gekommen und erst Jahre später an die Bundesre­publik zurückgegeben worden waren. Wolfes Appell an den Internatio­nalen Archivrat ist hier von wesentlicher Aussage: „Jede Delegation eines Mitgliedslandes des Internationalen Archivrates sollte ihrer Regierung empfehlen, daß in der internationalen Praxis die folgende Regelung zur Lösung künftiger Konflikte, die aus einer Besatzungsverwaltung oder Ge­bietsabtretung entstehen könnten, angenommen würde: Eine Besatzungs­macht, die durchaus legitim beschlagnahmte Akten im besetzten Land oder, falls notwendig, nach Verbringung an einen sicheren Ort auswertet, ist verpflichtet, die Unverletzlichkeit von Archivalien oder Akten dadurch zu gewährleisten, daß die einzelnen Schriftstücke im Registraturverband verbleiben der unverzüglich wieder dem Bestand einverleibt werden, zu­mal die Nutzung recht leicht durch preiswerte, schnelle und sachgerechte reprographische Verfahren gesichert werden kann. Falls alle Regierungen diese einfache Regel beachten, werden Archivare in der Zukunft viel leichter Quellen gemeinsamer Geschichte archivfachlich befriedigend im ursprünglichen Registraturzusammenhang nutzen und allen Forschern un­abhängig von deren Nationalität bereitwillig zugänglich machen können“. Trotz der ungemein großen Belastung durch seine Tätigkeit als Organisa­tor der Bonner Tagung fand K. Oldenhage (BRD) noch Zeit, Das Schick­sal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen nach dem Zweiten Weltkrieg aufzuzeigen. Der Referent bestand dabei auf der grundsätzlichen Einhal­tung des Provenienzprinzips und warnte vor allzu großen Ansprüchen bei der Archivalienrückgabe. Er schloß seine Ausführung mit folgender Forderung: „Anzustreben ist daher vor allem anderen der freie Zugang zu jedem Dokument, das historische Aussagekraft hat, unabhängig davon, wo es verwahrt wird. Im Hinblick auf die künftige Entwicklung ist es sicherlich ermutigend, daß es zahlreiche Beispiele für eine Zusammenar­beit auch von Ländern unterschiedlicher Gesellschaftsordnung gibt, bei denen die Förderung der Wissenschaft und nicht nationaler oder insti­tutioneller Eigennutz in den Mittelpunkt der Bemühungen gestellt wur­den“. Der Berichterstatter, als Sekretär dieser Plenarsitzung fungierend, konnte resümierend festhalten, daß sich der Archivar gerade auf dem Ge­biet des Austausches von Archivalienreproduktionen den „wachsenden Aufgaben bei begrenzten Mitteln“ vielleicht öfter gegenübersieht als bei allen anderen Problemen, die zu seiner täglichen Arbeit gehören. Wie schon bei den neun vorangegangenen internationalen Archivkongres­sen wurden auch diesmal viele Themen angeschnitten, wurde sehr viel diskutiert, und jeder Teilnehmer konnte auf den verschiedensten Gebie­ten der Archivistik wesentliche Anregungen empfangen. Die Schwierig­keiten, denen sich in unseren Tagen auch die Archive gegenübersehen, sind seit London 1980 nicht geringer geworden, eher gewachsen. Werden sie 1988, wenn sich am Vorabend der Feiern zum Gedenken an die Fran­zösische Revolution die Archivare der Welt zum XI. Internationalen Ar-

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