Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

HUMMELBERGER, Walter: Kronprinz Rudolfs Prager Jahre 1878–1883. Ein unveröffentlichtes Manuskript Oskar Freiherr von Mitis'

290 Walter Hummelberger Mnő se take velmi libil ten velmi krasny „toast“, co mné predcetli moij páni. Dostal jsem od generalneho stabu popis lonske valky ve Italié a v Őechách. Vcera jsem se podival ve Hütteldorf, iák se vykopal jezevec. Byli ve doupéti dva jezevci, jsme je slyseli fnukati, a jsme take spatfili tíikrate jejich rypaky. Musili jsme ale odejiti, teprva o 2 hodinách ve noci myslivci jednoho dostali a druhy usel. Mamince a Gisele se vede dobfe, Gisela jiz néma zubyboleni. Ty dlouho ostanes ve Parizich, ja se jiz velmi tésim, az ty zase se vratis k nam, mily tatinku. Ruku libam tobé a prosim abys mné zachoval lasku tvou. Tvűj Rudolf. Man sieht, daß der Schüler sich bereits leidlich auszudrücken vermochte, und es war daher doppelt bedauerlich, daß später sein tschechischer Un­terricht für längere Zeit unterbrochen wurde. Erst im Jahre 1873 dachte man daran, ihn wieder aufzunehmen, diesmal allerdings mit aller Gründ­lichkeit. Der Statthaltereivizepräsident in Prag, Wenzel Rieger von Rie- gershofen, berichtete damals über drei Herren, deren Berufung als Lehrer des Kronprinzen in Betracht gezogen wurde: Dr. Hugo Toman, Direktor Johann Lepar und Dr. Anton Gindely, der Landesarchivar. Letzterem gab er vor den anderen den Vorzug, man hob von ihm rühmend hervor, er sei „objektiv bei Beurteilung geschichtlicher Tatsachen, indem ihm die historische Wahrheit über alles geht“. Tatsächlich war die Lehrzeit bei dem berühmten Historiker nicht nur für die Ausbildung der Sprachkennt- nisse des Kronprinzen von bestem Einfluß, sondern sie wirkte auch auf seine ganze Denkungsweise nachhaltig ein. Gindely, der am 3. September 1829 zu Prag geboren war 6), durfte in religiöser Hinsicht als überzeugter Katholik gelten, in nationaler (sein Vater war Deutschungar, seine Mut­ter Tschechin) fühlte er jederzeit tschechisch, wenn man auch in Kreisen der tschechischen Gesellschaft geneigt war, ihn für einen Deutschen zu halten. Politisch war er eben „österreichischer Patriot“, selbstverständlich aber ein Anhänger der böhmischen Autonomie. Am 18. November 1860 schrieb er die bezeichnenden Worte: „Wenn alles gut geht, wird Oester­reich ein Föderativstaat, das Wahrscheinlichste scheint mir aber, daß es ein Herd ununterbrochen dauernder Agitation, Revolution, usw. sein wird, bis endlich das Ende der Dinge kommt7)“. Wie Gindely den hohen Zweck seines Lehramtes auffaßte, darüber und über die Fortschritte seines Schü­lers belehren uns seine interessanten Briefe an Palacky8). Der Unter­richt wurde bereits ab November 1873 ausschließlich in tschechischer Sprache erteilt und Rudolf war, wie Gindely schreibt, ein guter Schüler. In nationaler Hinsicht war der Lehrer mit seinen Erfolgen sehr zufrie­6) Er starb zu Prag am 27. Oktober 1892. Vgl. Ottüv slovnik naucni [Otto- Lexikon] Bd. 16 (1896), S. 133—134 und die ausgezeichnete Biographie aus der Feder Kamii Kroftas in Zprávy zemského archivu ceského [Mitteilungen des böhmischen Landesarchivs] 4 (1915) S. 147—396. 7) Vergi. Krofta a. a. O., S. 336, 363 und 395. 8) Vergl. Kamil Krofta „Palacky a Gindely“ in Öesky casopis historicky 12 (1912) 318—319.

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