Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

246 Erwin A. Schmidl Frau und Kinder zu sorgen hatten. Ein solcher Fall ist der Adolf Schlögls. Der 1860 in Münchreith (Bezirk Waidhof en/Thay a in Nieder Österreich) geborene Faßbindergehilfe war 1890 nach Südafrika ausgewandert und zunächst fünf Jahre lang Laienbruder im Trappistenkloster Marianhill (Natal) gewesen, bevor er 1895 in den Transvaal kam. Schlögl arbeitete als Faßbinder in Potchefstroom, verdiente gut und heiratete im Mai 1899 eine südafrikanische Staatsbürgerin, Petronella Kuckard. Als der Krieg ausbrach, verweigerte Schlögl unter Berufung auf seine österreichische Staatsbürgerschaft seine Rekrutierung. „Ich leistete sodann eine Zeitlang Polizeidienste bei den Boeren, als ich aber dafür keine Zahlung erhielt, reiste ich mit meiner Frau am 29. April 1900 nach Johannesburg. Ich suchte daselbst Arbeit, fand aber keine. Als die Englän­der Johannesburg im Mai 1900 besetzten, meldete ich mich zum Polizeidienste und erhielt 4 Sh. täglich als Löhnung. Später arbeitete ich als Zimmermann in englischen Diensten ... Am 17. September 1900 wurde ich wegen Mangels an Arbeit entlassen und fand keine Beschäftigung mehr. Im September 1900 wurde die Tante meiner Gattin, Wesel de Toijt, in Potschefstroom von den Engländern kriegsgefangen genom­men und bei ihr auch meine sämmtlichen Effecten ... confiscirt. Da ich keine Arbeit fand und aller Mittel entblößt war, ginng ich zuerst zum deutschen Consul und als dieser erklärte, er könne nichts für mich thun, zum italieni­schen Consul [Morpurgo], Letzterer gab mir ein Empfehlungsschreiben an den englischen Oberstlieutenant Davis, der mir einen Freipaß nach Europa ausstellte. Am 25. November reiste ich sodann mit einem Transporte in Begleitung meiner Frau und eines am 11. October 1900 in Johannesburg geborenen Kindes via Capstadt nach Southampton und von da über London und Rotterdam nach Wien. Die Reise und Verpflegung wurde von den Engländern bestritten, doch wurden wir auf der ganzen Tour bis London streng bewacht. Die englischen Soldaten, die uns überwachten, beschimpften uns Deutsche als: „Blutige Deut­sche“, worüber wir uns beleidigt fühlten. Sonst habe ich keine Beschwerde gegen die englische Regierung und deren Organe vorzubringen ... Als aber Ende des Jahres immer noch keine Entschädigungszahlung der britischen Regierung eintraf (Schlögl hatte für verlorene Effekten wie Werkzeuge und Haushaltsgeschirr £ 65,— gefordert), richtete Adolf Schlögl ein neuerliches, verzweifeltes Gesuch ans Außenministerium: „Bitte mich gnädigst anzuhören, da ich mir nicht mehr zu helfen weiß, mit Frau und Kind darben muß und ich von keiner Seite Hilfe bekomme, ... möchte ich kniefälig bitten um Unterstüzung weil ich wieder ohne Arbeit stehe und ich so betrogen worden bin ... Jetzt im nahen Winter in meinem Geburtsort, kein Geld um nach Wien zu gehen, keine Lebensmittel zum Leben, kein Holz um zu kochen, keine Schu und Kleider in der bittersten Noth preiß gegeben ich weiß mir nicht zu helfen noch zu rathen ... Meine Frau ist eine echte Burin und will auch schon zurück nach Afrika zu ihrer Mutter weil wir auch keine Brief von dort bekommen ...“ 98) Erst 1904 erhielt Adolf Schlögl die Summe von £ 13,— ausbezahlt... Doch nicht nur die Briten, auch die Buren verhielten sich der Zivilbe­»s) Admin. Reg. F 36/18 Fall Schlögl.

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