Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

244 Erwin A. Schmidl auf englischen Befehl eingestellt, Prister zusammen mit mehreren Italie­nern am 15. November 1900 verhaftet, .. und zwar unter der Beschuldigung des Hochverrathes, begangen dadurch, daß sie angeblich eine Kirche, in welcher der Höchstkommandierende sammt dem Stabe usw. Zusammenkommen sollten, mittelst Dynamit in die Luft spren­gen wollten“. Die Verhafteten wurden ohne Einvernahme und ohne Erhebung des Sach­verhaltes abgeschoben und am 15. Jänner 1901 von Durban aus nach Nea­pel deportiert85). Der 1864 in Jespin (Böhmen) geborene Friedrich Capek gehörte zu der ersten Gruppe von 55 österreichischen und ungarischen „Verschwörern“, die schon im Juli 1900 abgeschoben wurden. Er war 1892 zusammen mit Kapellmeister Kopetzky nach Kimberley gekommen und später nach Jo­hannesburg weitergezogen, wo er als Hotelier und Musiker ein gutes Ein­kommen fand. Am 13. Juli 1900 wurde er gegen 21 Uhr von einer engli­schen Militärpatrouille in einem Restaurant verhaftet und in das Johan­nesburger Fort gebracht. „Auf unsere Anfrage, weshalb mit uns so verfahren werde, erhielten wir keine Antwort. Es wurde uns nicht gestattet, unser Habe mit uns zu nehmen. Ca. drei oder vier von den Verhafteten wurden von der Familie weggeführt. Die Ehe­gattinnen [auch Capek war verheiratet] wurden in Johannesburg belassen .. Am 15. Juli wurden die Deportierten in Viehwaggons nach East London und von da per Schiff nach London gebracht 86). Ivo Barbaros aus Majkovi87), Philipp Brennholz88), Leopold Josef Dirn­berger aus Hainbach bei Wien89), Dr. Mauro Engl90), Konrad Gischler aus Klausenburg01), Moritz Gugler aus Wien92) und Franz Horváth aus Temerin03) waren Angestellte der Niederländisch-Südafrikanischen Eisenbahngesellschaft („Nederlandsche Zuid-Afrikanische Spoorweg Maat- schappij“, abgekürzt „NZASM“) gewesen und wurden deshalb ausgewie­sen. Die britischen Behörden waren nämlich der Ansicht, die NZASM hätte die Operationen der Transvaal-Regierung begünstigt und damit feindselige Handlungen gesetzt. Außerdem hätte sich das Eisenbahnperso­nal geweigert, unter britischem Régime weiter den Dienst zu verse­hen 94). * *s) Prister an MdÄ, 1901 April [o. T.] und MdÄ an Deym, Prot. 159/2661 a, 1901 April 18, Wien: Admin. Reg. F 36/15 Akt 101. 86) Protokoll 1900 August 27, Wien: Admin. Reg. F 36/15 Akt 74. 87) Admin. Reg. F 36/17 Akt 347, sowie F 36/21 Akt 27/407. ®8) Admin. Reg. F 36/16 Akt 186 und 258. 8») Admin. Reg. F 36/15 Akt 62 und 125, sowie F 36/22 Akt 27/C—VI/1—X. ") Schmidl Österreicher 295 f. 01) Admin. Reg. F 36/21 Akt 27/407. ") Admin. Reg. F 36/15 Akt 72. °3) Ebenda Akt 107. 94) Gugler an MdÄ, 1901 Februar 1, Wien und MdÄ an Deym, 1901 Fe­bruar 12, Wien: ebenda Akt 72.

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