Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

SPIELMAN, Danila Cole – THOMAS, Christiane: Quellen zur Jugend Erzherzog Ferdinands I. in Spanien. Bisher unbekannte Briefe Karls V. an seinen Bruder (1514–1517)

32 Quellen zur Jugend Erzherzog Ferdinands I. 2] Der Dominikaner Alvaro Osorio de Moscoso, Bischof von Astorga seit 1. Juni 1515 (Eubel Hierarchia 3 135), war am 5. November 1505 von Ferdinand von Aragon zum Erzkaplan des Infanten bestellt worden (Castrillo Benito Tradition und Wandel 424), obwohl auch Gonzalo de Guzmän, Erzpriester von Bonilla, (ebenda 418) diese Funktion bekleidete. Die geheimnisvolle conclusion, die Astorga bekannt war, läßt sich inhaltlich bestimmen und zeitlich eingrenzen: Astorga war nach Flandern gekommen, um Bespre­chungen über F’s Hofhaltung zu führen (vgl. Weiss Papiers d’Etat 1 93). In Gegenwart und mit Zustimmung Maximilians Margaretes und K’s Räten wurden diesbezügliche Beschlüsse gefaßt. Ein Aspekt betraf finanzielle Vereinbarungen, und K war bereit, 4000 Dukaten an Unterhaltskosten zuzuschießen. Aber in erster Linie mußte es doch um eine Entscheidung über die Zukunft F’s gehen, d. h. konkret um die Erörterung einer mögli­chen Abreise F’s aus Spanien. Walther Anfänge Karls 163 setzt, allerdings ohne Quellenangabe, Diskussionen zu diesem Thema bereits mit 1509 an. Andrea da Burgo berichtet Maximilian I. am 12. Februar 1516, vier Tage nach dem Eintreffen der Nach­richt vom Tode Ferdinands von Aragon, daß ihm Chiévres erzählt habe quod ex Hyspania nova habent, quod mittent dominum Ferdinandum ad omne beneplacitum domini princi­pis: HHStA Maximiliana 35, Konvolut 1 fol. 26 v, Or. Den Schlüssel liefert die Äußerung Niklas Zieglers gegenüber dem Kanzler Cyprian von Serntein vom 18. Februar 1517: So wirdet kunig Verdinand in Hispanien beleiben, biss kunig Karl hinein kumbt.und darnach erst herauss ziehen (ebenda 36, Konvolut 3 fol. 66 v, Or., gedruckt bei Bauer Anfänge 47 Anm. 1, hier zitiert nach Or.). Der Gebrauch des Wortes en presencia des Kaisers schließt aus, daß Maximilian nur nachträglich bereits gefaßten Beschlüssen zustimmte, die Beratungen müssen also während seines letzten Zusammentreffens mit seinem Enkel Karl stattgefunden haben. Nach Hermann Wiesflecker Kaiser Maximi­lian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit 4 (1981) 381 fand die Zusammenkunft im Januar 1517 in Lierre statt. Foronda y Aguilera Estancias 85 erlaubt die Eingrenzung auf zwei Tage, denn nur am 29. und 30. Januar 1517 hielt sich K in Lierre auf. Zieglers Mitteilung, etwas mehr als zwei Wochen später, ist daher als Zusammenfassung der Konferenzentscheidungen zu werten. Somit stand schon zu Be­ginn des Jahres 1517 fest, daß F Spanien nach der Ankunft K’s - wann immer diese erfolgen sollte - verlassen würde. Die umwälzenden personellen Verschiebungen in F’s Hofstaat auch schon mit Januar 1517 festzulegen, geht wahrscheinlich zu weit. Zu deutlich ist K’s Bezug auf jüngst, d. h. knapp vor 7. September 1517 erhaltene Informa­tionen über die Aktivitäten der höchsten Hofstaatsmitglieder, die ihn veranlassen, eben diese Leute zu entfernen. Ob F über die Januar-Regelung, ihn sozusagen aus Spanien „auszuweisen“, Bescheid wußte, ist nicht sicher: Die Briefe K’s vom 7. September gingen darauf nicht ein, vielleicht, um die Spanier nicht vorzeitig zu beunruhigen. F selbst spricht von diesem Ereignis Jahre später als einem Beweis seines Gehorsams, gibt aber keine weiteren Erläuterungen: HHStA Spanien Korrespondenz 1, Konvolut 4 fol. 2 r, Or. der Weisung an seine Gesandten bei K von 1528 Dezember 8. - Die,Belohnung‘ von 2000 Dukaten für Astorga sollte dessen Reiseauslagen ersetzen: Bauer Anfänge 52. Es scheint, daß Astorga sich noch länger in den Niederlanden aufhielt. Margarete entschul­digte sich am 23. August 1517 gegenüber F, Osorio einige Tage zurückbehalten zu haben, um Neuigkeiten de la dame (damit muß die kranke Johanna gemeint sein) de devers laquelle il vient zu hören (Bauer FK 5 n. 7). Andererseits wußten K und seine Räte, daß Astorga bereits im September bei Ximénez war: Weiss Papiers d’Etat 1 95. Wenn es sich um einen Verwandten gleichen Namens des Bischofs von Astorga handeln sollte, gehörte er nach den von Castrillo Benito Tradition und Wandel 417-424 publizierten Listen nicht dem Hofstaat F’s an. Sollte er dann der Umgebung Johannas zuzuordnen sein? 3] Pero Núnez de Guzmän, Großkomtur des Ordens von Calatrava, war als ayo des Infanten am 6. Mai 1505 von Ferdinand von Aragon eingesetzt worden, damals noch als Schlüsselmeister des Ordens. Neben dem Erzkaplan Gonzalo de Guzmän (der laut K’s Auftrag an Ximénez vom 7. September 1517 - siehe oben 1 ]— ebenfalls entlassen wurde) war Pero der Hauptverantwortliche für die Erziehung F’s und stand an der Spitze des gesamten Hofstaats. Vor dieser Betrauung war er bereits Kammerherr des Prinzen

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