Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

SPIELMAN, Danila Cole – THOMAS, Christiane: Quellen zur Jugend Erzherzog Ferdinands I. in Spanien. Bisher unbekannte Briefe Karls V. an seinen Bruder (1514–1517)

26 Danila Cole Spielman und Christiane Thomas guarda y recomienda. De la villa de Bruselas, a 2210 dias del mes de abril de quinjentos e diez e seys anos. Vuestro1" buen hermano yo el reyh) G[onzal]o'' de Segovia" 1] a) Die Cedilla wird vom Schreiber in Form eines Punktes unter den Buchstaben gesetzt. 2] b) Or. ha mit ser-Kürzung; c) Or. quoando. 3] d) Or. quoal; e) Or. atto; f) a minuta nicht sicher erkennbar; g) Tagesdatum von der Hand Segovias; h)-h) eigenhändig; i)-i) eigenhändig. - Nach den in Preßburg geschlosse­nen Vereinbarungen vom 20. Mai 1515 (Or. HHStA Habsburg-Lothringisches Familien­archiv, Familienurkunden n. 974) über die habsburgisch-jagellonische Doppelhochzeit war neben F auch sein Großvater Maximilian I. als Bräutigam der kleinen Prinzessin Anna von Ungarn, Tochter König Ladislaus II. von Böhmen und Ungarn, vorgesehen. Im Juli 1515 war tatsächlich neben der Verlobung zwischen dem Sohn Ladislaus’, Ludwig von Ungarn, mit K’s und F’s Schwester Maria per verba matrimonialia de praesenti ein Ehevertrag per verba de praesenti geschlossen worden, der aber Maximilian die Möglich­keit einräumte, binnen Jahresfrist zugunsten seiner Enkel zurückzutreten: HHStA Allge­meine Urkundenreihe 1515 Juli 22, Wien, Or. Davon machte der Kaiser auch Gebrauch: ebenda 1516 Juli 12, Falkenstein, Or. Vgl. für eine ausführliche Schilderung Bucholtz Ferdinand der Erste 1 150-154. — K hatte schon vor dem 5. März 1516 seinen Gesandten in Spanien, Adrian von Utrecht, für Verhandlungen wegen der geplanten Heirat zwi­schen F und Anna bevollmächtigt: quant au pouoír de traicter le mariaige de mon frere l’infante don Fernande avec la füle de Hongrie j’ay donné charge au doyen de Louvain de le solliciter: K an Kaiser Maximilian I., s. d., s. I., Kanzleireinschrift als Beilage (fol. 15-16) zu Andrea da Burgo an Maximilian I., 1516 März 5, Brüssel, Or. (HHStA Maximiliana 35, Konvolut 2 fol. 14 und 17). F hatte bereits am 24. März 1516 die gewünschte Vollmacht im Beisein von u. a. Adrian von Utrecht und Ximénez unterzeich­net: HHStA Allgemeine Urkundenreihe Or. und Maximiliana 35, Konvolut 2 fol. 85-86 zeitgenössische Kopie. K’s Besorgnis über das Ausbleiben der Zustimmung F’s war berechtigt, denn seit der Ausstellung des Dokumentes war fast ein Monat vergangen. Er selbst gab seine Einwilligung am 19. Mai 1516, Brüssel; HHStA Allgemeine Urkunden­reihe Or. Die Eheschließung per procurationem zwischen F und Anna erfolgte am 21. Juli 1516 in Wien: HHStA Allgemeine Urkundenreihe und Habsburg-Lothringisches Familienarchiv, Familienurkunden n. 999/1 und 2, drei Notariatsinstrumente. Siehe Bauer Anfänge 46. - Anna lebte seit Juli 1515 unter der Obhut Maximilians I. in Wien und übersiedelte erst mit Ende März 1517 gemeinsam mit ihrer Schwägerin Maria nach Innsbruck: Gemot Heiß Königin Maria von Ungarn und Böhmen (1505-1558). Ihr Leben und ihre wirtschaftlichen Interessen in Österreich, Ungarn und Böhmen (phil. Diss. Wien 1971) 6ff. 7 (Bauer 5 d) Karl an Ferdinand 1516 Juni 29. Brüssel. K bestätigt den Empfang einer Empfehlung F’s für (Adrian von Utrecht) den Dekan von Löwen, der das freigewordene Bistum Tortosa erhalten soll. K stimmt diesem Wunsch F’s zu, ohne (wie sonst üblich) von anderer Seite Erkundigungen eingeholt zu haben, ‘und ist sich einer positiven Reaktion des Papstes (Leo X.), den er verständigt, sicher. Ist bereit, auch weitere Wünsche F’s zu berücksichtigen.

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