Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

508 Literaturberichte veröffentlichen, könnte die Serie C vielleicht passender mit dem Titel „Miscellanea et Curiosa“ charakterisiert werden. Elisabeth Springer (Wien) Wolfgang Kessler Politik, Kultur und Gesellschaft in Kroatien und Slawonien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Historiographie und Grundlagen (Südosteuropäische Arbeiten 77). K. Oldenbourg Verlag, München 1981. 352 S., 1 Karte. Die auf einer Düsseldorfer Dissertation beruhende Arbeit ist als „Vor­studie“ für eine Geschichte Kroatiens und Slawoniens im Zeitraum von 1790 bis 1848 gedacht. Gerade dieser Zeitraum des kroatischen Frühna­tionalismus und der Patriotenbewegung (Illyrismus) wurde in geschlosse­ner Form zum letzten Mal vor rund 70 Jahren von Ferdo Sisic im 3. Band seiner Hrvatska povijest abgehandelt. Hatte Sisic nach intensiven Archiv­forschungen in Wien und Preßburg vor allem die politischen und staats­rechtlichen Fragen erörtert, so wandte sich nun K. vor allem der Ge­schichtsschreibung über diese Zeit, den verschiedenen ideologischen Kon­zeptionen und den ethnischen, sprachlichen, konfessionellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen in Kroatien und Slawonien zu, wo­bei eine Aufarbeitung der wissenschaftlichen Literatur im Vordergrund stand, ergänzt durch Archivstudien in Zagreb. Es ist K. im wesentlichen zuzustimmen, wenn er die Epoche von 1790 bis 1848 nach dem Phasenmodell von Miroslav Hroch in eine Ära des kroa­tischen „Gelehrtenpatriotismus“ (1790—1830) und in die Zeit der kroati­schen Patriotenbewegung (1830—1848) unterteilt, die sich für eine Festle­gung der ökonomischen, kulturellen und sprachlichen Beziehungen ein­setzte. Freilich kann die Zeit des Neoabsolutismus nicht nur als „Unter­brechung“ zwischen Patriotenbewegung und Massenbewegung gesehen werden, sondern gilt gleichzeitig — wie gerade neueste Arbeiten von Mirjana Gross zeigen — auch als Beginn der administrativen, bildungs­politischen und technischen Modernisierung in Kroatien und Slawonien. Der Abschnitt über die Geschichtsschreibung zu Kroatien-Slawonien 1790—1848 verrät einen guten Einblick in die kroatische und internationa­le Historiographie. Schwächen sind am ehesten in der Beurteilung der gesamtösterreichischen Historiographie des 19. wie des 20. Jahrhunderts zu erkennen, auch wenn sich diese jeweils nur am Rande mit kroati­schen Fragen beschäftigte. Hugo Hantsch und Heinrich Benedikt in diesem Zusammenhang als „tendenziell kleinösterreichische Historiker“ (S. 49) zu bezeichnen, erweist sich jedenfalls „als wenig kenntnisreich“. Noch unhaltbarer ist die unkritisch übernommene Behauptung, bei Hantsch lasse sich studieren, „wie man aus der altösterreichischen Per­spektive die geschichtlichen Tatsachen frisiert“ (S. 61). Die zweifellos schwierigste Frage in der Darstellung der Geschichte Kroatiens und Slawoniens ist die Wahl der entsprechenden Konzeption,

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