Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 499 Moritz Csáky Von der Aufklärung zum Liberalismus. Studien zum Früh­liberalismus in Ungarn (Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs 10). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1981. 272 S. Der Vf. hat sich in seiner nun als Buch vorliegenden Habilitationsschrift die Aufgabe gestellt, den gesamteuropäischen Umbruch und Wandel, wie er sich um 1800 vollzogen hat, „paradigmatisch am Beispiel Ungarns zu verdeutlichen“ (S. 9). Cs. wandte seine besondere Aufmerksamkeit aus mehrfachen, im Vorwort näher beschriebenen Gründen dem ungari­schen Frühliberalismus zu. Dieser setzt in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts ein und erstreckt sich bis etwa zum Reformlandtag von 1825/27. Diese ca. 30—40 Jahre, die in den Beginn der liberalen „Re­formzeit“ münden sollten, bezeichnete die bisherige Historiographie meist als eine Epoche allgemeiner Stagnation. Ziel der vorliegenden Unter­suchung ist es nun aufzuzeigen, daß der ungarische Liberalismus nicht bloß auf die Wurzeln des Josephinismus und der Spätaufklärung zu­rückzuführen ist, sondern sehr wohl auch von dem Reformwillen der ersten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts mit bedingt wurde. Die Reformansätze des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurden also nicht ver­schüttet, sondern blieben lebendig und wurden weiterentwickelt, und zwar vor allem im Bereich des politischen Denkens, des sozialen Enga­gements und der Bildung. Hier wurden Akzente gesetzt, die im Gegensatz zur Aufklärung „bereits typisch liberale Kriterien antizipieren“ (S. 11). Deshalb vertritt Cs. die Meinung, daß man hier viel eher von einer Epo­che des Frühliberalismus als der Spätaufklärung sprechen müsse, wobei sich der Vf. der Schwierigkeit bewußt ist, zwischen diesen beiden Be­griffen eine klare Grenze zu ziehen. Cs. legt in seiner Arbeit den Schwerpunkt auf die ideengeschichtliche Entwicklung dieser Zeit. Eher peripher werden wirtschaftliche Fragestel­lungen behandelt, stärkere Berücksichtigung finden aber politische und soziale Strukturen und Probleme Ungarns. Gleich das erste Kapitel ist dem Wesen und der Funktion von Staat und Gesellschaft gewidmet, wobei unter anderem hingewiesen wird auf den wirtschaftlichen Auf­schwung des Landes im Verlaufe des 18. Jahrhunderts sowie auf die rapide Zunahme der Gesamtbevölkerung. So vermehrte sich die Bevölkerung Un­garns im Zeitraum von 1750 bis 1850 um 183 Prozent! (S. 17). Um 1800 treffen wir in Ungarn noch immer jene Gesellschaftsstruktur an, wie sie sich seit dem 16. Jahrhundert herausgebildet hatte: Adel, Nichtadelige (etwa Prälaten oder Bürger der königlichen Freistädte), Bauern. Im Zu­sammenhang mit der staatlichen Ordnung Ungarns geht Cs. näher auf die besondere Stellung des Landes in der Habsburgermonarchie ein, weiters auf die Formen der Gesetzgebung und der Regierung, auf die Verwal­tung sowie auf die Rechtssprechung. Ein weiterer großer Abschnitt beschäftigt sich mit der „Entwicklung des politischen Bewußtseins“. In dem Kapitel über die ständische Verfassung 32*

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