Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
Rezensionen 489 dersetzung um das spanische Erbe am Lebensende Leopolds kulminiert. Das Werk des in den USA lehrenden Historikers ist zuerst 1977 in London in der von Ragnhild Hatton betreuten Reihe Men in office erschienen. Weithin dominiert eine angelsächsisch nüchterne, ja unterkühlte Sprache, gut lesbar, aber den Habitus und Gestus einer barocken Herrschergestalt nicht immer ganz treffend. Die Übersetzung ist sorgfältig und flüssig; einige unübliche Begriffsverwendungen, wie „Rheinliga“ (S. 29) statt Rheinbund, „König von Rom“ (S. 139) statt Römischer König oder die mehrfache Verwechslung von „preußisch“ mit branden- burgisch sollten nachgesehen werden, desgleichen einzelne Druckfehler (z. B. 1669 statt richtig 1696 für das Todesjahr der spanischen Königin Maria Anna, S. 161). Die Bibliographie wurde für die deutsche Ausgabe aktualisiert. Detailstudien sind darin nur in beschränktem Maße aufgeführt, dagegen weiß sich Sp., wie er selbst betont, den richtungweisenden Arbeiten älterer österreichischer Historiker verpflichtet, vor allem Oswald Redlich, an dessen Weltmacht des Barock sich die Darstellung streckenweise eng anlehnt. Aus den Archiven von Wien und Simancas wurden einzelne ungedruckte Quellen mit herangezogen. Alles in allem liegt ein abgewogenes und anschauliches Lebensbild vor. Die zusammenfassende Formel Sp’s von der „kämpferischen Frömmigkeit “ (S. 188) trifft die Haltung des Kaisers gut, die gar nicht so schwankend war, wie manchmal zu lesen, allerdings von der Neigung bestimmt, „immer den sichersten und vorsichtigsten Weg zu wählen“ (S. 127). Das absolutistische Herrscherideal der Zeit ist zwar bei Leopold sichtbar, wird jedoch auf eine menschlich ansprechende Weise durch Geradlinigkeit, Milde und eine außergewöhnliche Dankbarkeit für erwiesene Treue gebrochen. Meisterhaft wird die Darstellung Sp’s abgerundet durch die knappe, aber höchst lebendige Skizze, die Adam Wandruszka als Nachwort beigesteuert hat. Seine Feststellung, daß das „dominium absolutum“ als politische Maxime der Zeit unter Leopold und seinen Söhnen nicht mit letzter Rücksichtslosigkeit durchgesetzt wurde, dies aber „für ihre Länder insgesamt doch wohl keineswegs nur von Nachteil war“ (S. 193), setzt einen nachdenkenswerten Schlußakzent. K. Peter Decker (Büdingen) Charles W. I n g r a o Josef 1. Der „vergessene“ Kaiser. Verlag Styria, Graz— Wien—Köln 1982. 293 S., 1 Karte. Es ist sicher eine verdienstvolle Angelegenheit, wenn der Verlag eine biographische Reihe herausgibt, die Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte in der frühen Neuzeit — meist Herrscher — zum Gegenstand hat. Denn bekanntlich sind wir gerade für die frühe Neuzeit, was die biographische Seite betrifft, meist auf ältere Standardwerke angewiesen.