Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 477 nischen Kleinstaaten in seiner Struktur und Handlungsfähigkeit messen könnte (z. B. S. 50). Darüber täuscht punktuelles Verständnis für den „fürstenstaatlichen Aufbau des Reiches“ nicht hinweg (S. 260). Der Vf. bewegt sich zudem stark im Ideenbereich von habsburgischem Kaisertum und Weltreich (vgl. S. 41); die seit dem 13. Jahrhundert andersartige Entwicklung des Reichs in den Konsequenzen zu akzeptieren (beispiels­weise keine Teilnahme am Wettstreit um Italien), fällt schwer. Eine große Kluft war nicht zu überwinden: Die Reichsstände waren jeweils nach innen zentriert, das „Reich“ sollte es aus Maximilians Sicht nach außen sein. Hat das Reich deswegen seine Aufgabe verfehlt, wie der Vf. oft andeutet? Gewiß nicht, wenn man es als Rahmen für die reichsständi­schen Gemeinwesen ansieht, sicher aber, wenn man es als eine Art nationalen Kampf- und Machtstaates sehen würde. Den anachronistischen Widerspruch zwischen Kaiseridee bzw. Reichsidee und realer Entwick­lung der Reichsteile vermag der Vf. nicht aufzulösen oder als solchen stehenzulassen, obwohl er zugesteht, daß die Zukunft nicht in der ein­heitlichen christlichen Weltmonarchie lag, sondern in der nationalen und konfessionellen „Auflösung“ (S. 497); es ist gewiß kein Zufall, daß der Vf. diesen pejorativen Ausdruck verwendet. Auf dieser Grundlage wird die wohl zu negative Bewertung des „Reichs“ (der Reichsstände) durch den Vf. verständlich (exemplarisch S. 49, häufig im gesamten Band); er teilt im wesentlichen den Standpunkt Maximilians (vgl. auch S. 55 f). Im Grunde wird an diesem Problem deutlich, daß der Vf. eine hier nötige Begrifflichkeit und Denkstruktur vermeidet, wie sie beispielsweise mit „Interessen“ markiert wäre (bezeichnend S. 263). Diese Überlegungen sollen nicht die Einschätzung trüben, daß das vorlie­gende Werk zweifellos zu den vielbenützten Standardwerken gehören wird. Alfred Schröcker (Hannover-Wunstorf) Zsolt Trócsányi Erdély központi kormányzata 1540—1690 [The Central Government of Transylvania 1540—1690] (A Magyar Országos Levéltár Kiadványai III. Hatőság-és Hivataltörténet 6). Akadémiai kiadó, Budapest 1980. 439 pp. For nearly thirty years Zsolt Trócsányi has been writing voluminously on the history of Transylvania. He began with society and politics from the late seventeenth to the mid-nineteenth century: peasants and land- holding before 1848; the prominent oppositional leader Miklós Wesselényi and the earlier pro-Austrian politician Mihály Teleki; the archives of Habsburg government in the province; articles on culture and education. His work is marked by a close attention to detail, combined with the effort at substantial reappraisal, which on occasion leads the writer into quirky individual judgments (his first book actually bears a preface

Next

/
Thumbnails
Contents