Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

474 Literaturberichte zutrifft, daß diese Häuserzahlen dann in das Gültbuch eingetragen und ungefähr 150 Jahre als „kalkulierte Häuser“ fortgeschrieben wurden. K. hat sich mit dem Bereitungsbuch, der ältesten erhaltenen Häusersta­tistik Niederösterreichs, ausführlich befaßt (vgl. oben UH 47 und JbLkNÖ 43). Er vergleicht sowohl die aus den mittelalterlichen Quellen gewonne­nen Daten wie auch den Häuserbestand von 1822 (S. 34 ff) mit den Daten von 1590. Das Bereitungsbuch enthält aber nur den ständischen Häuserbesitz (im gesamten 79.115 Häuser. Vgl. UH 47 [1976] 59—73), nicht den landesfürstlichen Besitz, nicht die verpfändeten landesfürst­lichen Kammergüter und nicht den Dominikalbesitz der Grundherren. K. hat nun die fehlenden Häuser aus „etwa gleichzeitig angelegten Urbaren über den landesfürstlichen Besitz“ (S. 33) und „verschiedenen anderen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts“ ergänzt, ohne Quellenzitate anzuge­ben. Er kommt auf ungefähr 92.000 Häuser und spricht von einer „Un­schärfe“ von ± 1—2%. Meines Erachtens ist dieser Prozentsatz zu gering. Abschließend noch einige Worte zur Genauigkeit und Verläßlichkeit der in diesem Buch gebotenen Häuserzahlen. K. betrachtet das mittelalterliche Datenmaterial innerhalb einer Bandbreite von ± 5% als gesichert. Dieser Aussage kann aber bei genauerer Kenntnis der verwendeten Quellen nicht ganz zugestimmt werden, da in diesen vor allem die steuerfreien Ob­jekte, wie z. B. Schaf-, Meier- und Wirtschaftshöfe, Forst-, Jäger-, Halter­und Gemeindehäuser, herrschaftliche Mühlen und Brauhäuser, Pfarrhöfe sowie geistliche und weltliche Herrschaftssitze, nicht erfaßt werden. Diese Einwendungen schmälern keineswegs den Wert des vorliegenden Buches. Alles in allem ist K’s Arbeit ein gelungener Versuch, stati­stische Methoden auf die mittelalterliche Geschichte in Anwendung zu bringen. Anton Eggendorfer (Wien) Hermann Wiesflecker Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. Band 4: Gründung des habsburgischen Welt­reiches. Lebensabend und Tod 1508—1519. Verlag für Geschichte und Politik, Wien, und R. Oldenburg, München 1981. XXVIII, 691 S., 1 Karte, 13 Abb. Mit dem vierten, dem vorletzten Band seiner Maximilian-Biographie er­reicht der Vf. den Abschluß der politischen Tätigkeit. Wie in den vor­ausgehenden drei Bänden hat er hier souverän und in jahrzehntelangen Bemühungen, unterstützt durch zahlreiche Grazer Dissertationen, eine außerordentliche Materialfülle verarbeitet und einen rund fünfhundert­seitigen, gut lesbaren Text erzählter Geschichte erstellt, abgesichert durch einen detaillierten Anmerkungsapparat. Daß das Material für das Jahrzehnt nach 1508 fast unübersehbar wird, hängt nicht zuletzt damit zusammen, daß das entstehende europäische Gleichgewichtssystem noch sehr beweglich ist; Bündnisse und Kriege wechseln in rascher Folge, Kaiser Maximilian ist überall in vorderster Linie verwickelt.

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