Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 469 ALLGEMEINE GESCHICHTE UND SPEZIALDISZIPLINEN Karl Heinz Burmeister Geschichte Vorarlbergs. Ein Überblick (Geschichte der österreichischen Bundesländer). Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1980. 234 S„ 28 Abb. Das allenthalben erwachte breite Interesse an der Vergangenheit der eigenen Umwelt läßt den Wunsch nach einer leicht greifbaren, kurzge­faßten und „lesbaren“ Landesgeschichte entstehen. Zeitgemäße landesge­schichtliche Darstellungen, die diese Anforderungen erfüllen, gab es in Österreich bislang kaum. Diesem Manko möchte daher eine neue, von Johann Rainer, dem Ordinarius für österreichische Geschichte an der Universität Innsbruck, herausgegebene Reihe Geschichte der österreichi­schen Bundesländer abhelfen. Die neun Einzeldarstellungen sollten ge­wissermaßen ein „föderalistisches“ Pendant zu den bisherigen, mehrheit­lich aus eher zentralstaatlicher Sicht geschriebenen Geschichten Öster­reichs ergeben. Als erster Band in der neuen Reihe ist Karl Heinz Burmeisters Ge­schichte Vorarlbergs erschienen. Der Vf. ist dank seiner langjährigen Tätigkeit im Vorarlberger Landesarchiv, dem er als Direktor vorsteht, mit der Materie wohlvertraut und verfügt selbstverständlich über die nö­tige Distanz und Objektivität, um gewissen vielstrapazierten Klischees, die das Geschichtsbewußtsein eines Landes so häufig prägen, zu begeg­nen. Bekanntlich sind diese Klischees vielerorts dieselben und werden doch stets als typisch für das eigene Land reklamiert, mag es sich um die naturräumlich motivierte, vermeintlich seit jeher bestehende Landes­einheit, die uralte demokratische Tradition, traditionelle Freiheit und Un­abhängigkeit oder die besondere Wehrhaftigkeit der Bewohner handeln. B. ist sich freilich der schwierigen Position des Landeshistoriographen im Spannungsfeld zwischen politischen Rücksichten und wissenschaftlichem Erkenntnisstreben voll bewußt, er drückt es klar genug im Vorwort aus. Gleichwohl verzichtet er nicht auf eine Orientierung für seine Darstel­lung und wählt geschickt zwei Leitmotive aus der Vorarlberger Lan­desverfassung (Art. 1, Abs. 1): zum einen den „in zwei Jahrtausenden unzerstörbar gewordenen Willen nach eigenständiger politischer Entwick­lung des Landes, zum anderen aber die in einer 650jährigen Geschichte nicht weniger gefestigte Zugehörigkeit des Landes zu Österreich“ (S. 7). In der Darstellung selbst vermag B. immer wieder jene Korrekturen am bisherigen Geschichtsbild anzubringen, die er — eben aufgrund der ge­nannten Orientierung — im Vorwort in Aussicht stellt. Gleich das erste Kapitel zeigt, daß er mit liebgewordenen Vorstellungen bricht, indem er die für die Frühzeit des Landes so oft reklamierte Idylle vom „freien Rätien“ (so etwa bei Benedikt Bilgeri Geschichte Vorarlbergs 1 [Wien— Köln—Graz 1971] 17 ff) ins Reich der Legende verweist und dagegen den keltischen Brigantiern die für diese Zeit zivilisatorisch führende Stellung zuweist. In der Frage, welcher der bei den antiken Autoren und auf der Siegesinschrift von La Turbie aufgezählten rätischen Stämme innerhalb

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