Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen

Studien und Quellen 37 II Gralini scheint im Rahmen unserer Erzählung teils als Begleiter Ber- tuccis * 32), teils als unmittelbarer Abgesandter der Bosnier: Fra Masnovich schickte ihn mit seinem Brief und einer mündlichen Botschaft an den Kaiser 33). Er wird in den Briefen Bertuccis und in einigen Briefen Leon­hard Harrachs als Vertrauensperson erwähnt34). Nach venezianischen Berichten soll er, wie auch Bertucci, aus Hvar (Lesina) stammen 35). Im Brief des Masnovich wird er als „Konsul“ des Königreiches Bosnien bzw. der dortigen Kaufleute bezeichnet36). Jedenfalls wird deutlich, daß er zur Schicht des gebildeten Patriziertums Dalmatiens und Bosniens gehörte. Er ist unter den Ersten, die am Prager Hof im Sommer 1596 über die Eroberung von Clissa berichten, und er mußte schließlich das Lösegeld auftreiben, als Bertucci von den Türken gefangen wurde37). Später be­hauptete er einen Teil des Lösegeldes persönlich vorgestreckt zu haben. Sicher ist, daß Gralini dem Malteserritter im Laufe der Begebenheiten um Clissa Geld borgte und ihn mit Tuch und anderen Naturalien versorgte. Da Bertucci diesen Betrag zunächst nicht bezahlen konnte, kam es zu einem Schuldvertrag zwischen ihnen: Bertucci schulde dem Gralini 1025 Taler bei einer jährlichen Verzinsung von 7%38 *). Gralini übernahm beim Unternehmen Clissa die Beförderung der Briefe zwischen Rudolf II. und seinen Anhängern um Spalato und betrieb neben­bei, wie es offenbar bei diesen kleinen reisenden Kaufleuten üblich war, auch ein Bankgeschäft in bescheidenem Ausmaß. Außerdem war Gralini insoferne im Interesse des Kaisers tätig, als er einige der Briefe bosnischer Adeliger, die in einer slawischen Sprache in cyrillischer Schrift (wohl „Bosancica“) geschrieben waren, ins Italienische übersetzte 30). finanz Bd. 516 fol. 348 v; Hoffinanz Akten rote Nr. 76 (1598 Dezember 12). Das Grab Albertis ist übrigens im Dom von Spalato erhalten; vgl. Alfons Pavich von Pfauenthal Beiträge zur Geschichte der Republik Poljica bei Spalato mit besonderer Rücksicht auf die Reihenfolge der Veliki Knezen (Staatsoberhäupter) in Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina 10 (1907) 240 f. 32) Vgl. Springer Bertucci 98, 102. 33) Siehe Dokument n. 12. 34) HHStA Ungar. Akten 356 fol. 82 r, 210 r, 225 r, 249 rv. 35) Tomié Gradja za istoriju n. 188 (Bericht des Zuanne Bembo von 1597 Juli 11). 30) Siehe Dokument n. 12. 37) Springer Bertucci 102. 33) Alles nach den Berichten von 1616 im Malteserarchiv im Státní archív Tfebon (Wittingau) Éada Maltanska rkp. c. 12 fol. 239—247 (= Kanzlei des Großpriorates, Kopialbücher). — Für die Anfertigung von Kopien aus diesem Archiv sei den dortigen Archivkollegen herzlich gedankt. 30) Z. B. HHStA Ungar. Akten 375 Konv. 1 fol. 88 r—91 r: Trebinje, 1596 April 24. Zur Bosancica vgl. Benedikta 2 e 1 i 6 - Bucan Bosancica u srednjoj Dalmaciji (Split, Historijski arhiv 1961).

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