Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen

STUDIEN UND QUELLEN ZU DEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN RUDOLF II. UND DEN BOSNISCHEN CHRISTEN Von Heinrich Noflatscher und Elisabeth Springer I. Die kaiserliche Hofkammer und die „Leute von Clissa“ (S. 33). — II. Weitere Nachrichten aus dem Leben Francesco Antonio Bertuccis und seines Gefährten Matteo Gralini (S. 37). — III. Vorwort zur Edition (S. 45). — IV. Edition ausge­wählter Archivalien (S. 49). „ ... seytemall diser zeit das gelt mehr wunder wüerkhen thuet, als die heyligen, so in der weit sein ...“ (Jurkovich über die Clissaner; vgl. n. 15). Bosnien und Süddalmatien waren im 16. Jahrhundert ein Gebiet einander vielfach überschneidender Interessensphären. Bosnien, ehemals selbstän­dig, dann Teil des Königreiches Ungarn, wurde ab 1463 Stück um Stück von den Türken erobert. Die Erinnerung an die alte Eigenständig­keit unter der ungarischen Krone blieb noch weiter bestehen, so daß man auch noch über ein Jahrhundert später an den habsburgischen Kaiser in dessen Eigenschaft als ungarischen König appellieren konnte. Ein star­kes Bindeglied in dieser Beziehung bildete natürlich der Franziskaner­orden, der sich eine gewisse offizielle Anerkennung von seiten der Paschas hatte erwerben können. Auch Dalmatien war im Mittelalter ein Teil Ungarns; doch lag das faktische Ende dieser Herrschaft viel weiter zurück. Die Städte an der Küste be­fanden sich seit jeher fern von den Machtzentren ihrer jeweiligen Ober­herrn, waren diese nun in Byzanz, Ofen oder Venedig. Obwohl der Beginn der Herrschaft Venedigs über die ganze dalmatinische Küste offiziell mit 1420 angesetzt wird 1), wurde das innere Leben dieser Städte auf den Inseln und an der Küste nur wenig davon berührt. Es entwickelten sich hier kleine, selbständige Kommunen fast ohne Hinterland, die in man­chem den italienischen Stadtstaaten glichen; anders als bei diesen läßt sich aber bei ihnen eine kontinuierliche Tradition von Ehrfurcht und Be- * >) Giuseppe P r a g a Storia di Dalmazia (Padova 1954) 145.

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