Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
162 Rosemarie Aulinger bleibt - weiß, daß der Sultan bereits in Belgrad eingetroffen ist und auch Ibrahim Pascha mit einem Teil des türkischen Heeres in „Sirimio“ (Mitrovica), da er diesen selbst dort gesehen hat; seither sind acht Tage vergangen76). Interessant ist vor allem der Bericht des Kundschafters über die Art, in der Süleyman Wien erobern will: „Quidam autem amicus meus de caesaris exercitu mihi id verissime significavit voluntatem caesaris esse Viennam obsidendi atque expugnandi, ita quod ex parte agri nititur comportatis aggeribus vallum civitatis complere usque superficiem valli eaque ratione irruptionem facere ex parte vero Danubii minoris hanc adinvenisse rationem dicitur, ut ipsum Danubium minorem ex suo alveo (si est possibüe) avertat alium in locum, et ex ipso Danubii loco tam ingeniorum viribus quam etiam cuniculis factis civitatem oppugnet; hec autem omnia memoratus amicus meus mihi fideliter et pro certissima re denunctiavit“77). Im übrigen stimmen die beiden Berichte Bakié’ mit dem des Hans Ungnad überein, sodaß derselbe Gewährsmann, wenn nicht sogar derselbe Kundschafter angenommen werden kann, der recht genau und ausführlich recherchierte. Daß sein Bericht einige kleinere Fehler aufweist, liegt vermutlich an den mehrfachen Zwischenstationen der Übermittlung. Da am 17. Juli die österreichischen Gesandten Nogarola und Lamberg entlassen — aber nicht heimgesandt - wurden, könnte der 16. oder 17. Juli als Tag des Abmarsches feststehen78). Am 20. Juli traf Süleyman in Esseg (Ossijek) ein und wurde durch Gritti im Namen Zápolyas empfangen79). Aus welchen Gründen jedoch die komplette Anzahl der Kanonen über Mohács nach Ofen gebracht hätten werden sollen, ist unklar. Aus dem Tagebuch Süleymans geht deutlich hervor, daß er nicht über Mohács zog80). Dies bedeutet auch, daß der Großteil der Geschütze im Heer Ibrahims und Süleymans mitgeführt, während nur ein kleiner Teü, der zu Grittis Verfügung vor Gran (Esztergom) stand, nach Ofen gebracht wurde. Die nächste Station übermitteln die beiden Berichte des Bischofs Thomas von Eger (5) (Anm. 57), die kurz vor Beendigung des Reichstags am 23. Juli 76) Der Brief stammt vom 1. Juli 1532 (siehe Anm. 56). 77) Wie Anm. 56, fol. 199r. 7S) Vgl. den Bericht der beiden Gesandten bei Gévay Urkunden und Aktenstücke 1 (wie Anm. 61). An Hand der beiden Berichte Bakié’ und Ungnads scheint zunächst der 3. Juni als Tag des Aufbruchs aus Belgrad vorgesehen gewesen zu sein. 79) Kretschmayr Gritti 43. Hammer-Purgstall Geschichte 2 87 berichtet von einer Audienz für Peter Pérény am 22. Juli in Ossijek. Vgl. Turcica 2 fol. 62 rv (1532 August 14): Der Sultan hat am 20. Juli die Drau überschritten. 80) Die Namen der eroberten Burgen und Orte geben ein beredtes Zeugnis davon. Hammer-Purgstall Geschichte 2 88, Anm. 2 nennt als seine Quelle das Tagebuch Süleymans vom Feldzug 1532. In Unkenntnis dieser Quelle ließen viele Historiker den Sultan über Mohács - ja sogar über Ofen - nach Güns (Kőszeg) ziehen: vgl. Fess- ler-Klein Geschichte 3 453, bes. Anm. 4; die Berichtigungen stammen vom Bearbeiter Ernst Klein.