Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

160 Rosemarie Aulinger ut perveniat Viennam“. Soviel er gehört habe, wolle Süleyman auch die Ge­sandten Ferdinands anhören. Auf Grund des Brief da turns („in profesto sanc­torum Viti et Modesti“ = 14. Juni) kann als Termin der Ankunft in Smede- revo für Ibrahim der 13. Juni und für den Sultan der 15. Juni angenommen werden64). Uber den weiteren Vormarsch des türkischen Heeres erfahren wir aus den folgenden Berichten, die Hans Ungnad (3) (Anm. 55) und Paul Bakié (4) (Anm. 56) an König Ferdinand und die Reichsstände65) gesandt haben. Un­gnad erhielt seinen Bericht von einem unbekannten Schreiber, der einen Teil seiner Informationen durch ungarische Adelige bezog66). Süleyman sei mit seinem Heer am 24. Juni in Belgrad eingetroffen, wo „ime die heuptleuth da­selbst ein uberauß grosse frowdenfeur, daruff bey tausent fuder holtz gan­gen, angezundet haben“. Ferner erfuhr er, daß die Geschütze auf der Donau bis nach Mohács geführt worden seien, unter denen sich viele Mörser befän­den, die man vor Wien in ähnlicher Weise wie vor Rhodos einsetzen wolle67). Die Geschütze würden von Mohács aus mit dem Ochsenkarren weiter trans­portiert. Süleyman habe auch auf der Strecke zwischen Esseg und Ofen - im Sumpfgebiet der Donau - achtzehn Brücken errichten lassen, um sein Heer hinüberführen zu können. Überdies habe er zwei Paschas anbefohlen68), M) Erst am 14. Juni brach Süleyman von Nis auf, nachdem er am 13. Juni die Ge­sandten Ferdinands empfangen hatte: vgl. den Bericht Nogarolas und Lambergs bei Gévay Urkunden und Aktenstücke 1 (wie Anm. 61). Nach diesem Bericht kam der Sultan am 21. Juni nach Belgrad, von wo aus noch etwa zwei Tagesmärsche bis Mit­rovica zurückzulegen waren. Vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 321. Als Beleg die­nen auch Leopold Kupelwieser Die Kämpfe Österreichs mit den Osmanen vom Jahre 1526 bis 1537 (Wien-Leipzig 1899) 84-89 und Charriére Negociations de la France 1 203. Auch in Güns kam der Sultan einige Tage nach Ibrahim Pascha und der Vorhut des türkischen Heeres an, wobei in der Literatur die Daten zwischen dem 5. und 9. August bzw. 8. und 13. August schwanken. Turetschek Die Türkenpolitik 324 nennt übereinstimmend mit Hammer-Purgstall Geschichte 2 110 den 7. August als Termin der Ankunft Ibrahims und den 10. August für das Eintreffen Süleymans. 65) Interessanterweise adressiert Paul Bakié seine beiden Briefe getrennt an den König (fol. 199r) und die Stände (197rv); inhaltlich weichen sie kaum voneinander ab. 66) Der Informant hatte u. a. Kontakte zu Peter Pérény und Andreas Báthory. Ver­mutlich war auch der Propst von Fünfkirchen eine seiner Kontaktpersonen (vgl. Anm. 42). 67) Am 21. Dezember 1522 hatte Süleyman Rhodos erobert: vgl. Ain Sendbrief Wie sych der Turckisch kaysser So grausamlich für die stat Rodis belegert, und gewonnen hat, Und von anfang bisz zum end, auch wie sich die frommen Herren und Ritter zu Rodis gehalten hond, gar schrockenlich zu leeszen allen ständen der Christenhait. Auszgangen von Venedig. Im lar MDXXI (o. O. 1523): Bayerische Staatsbibliothek München 4° Turc. 80(39). Ettore Rossi Assedio e conquisto di Rodi nel 1522 secondo le relazioni edite ed inedite dei Turchi (Roma 1927). Unzählige Neue Zeitungen be­richten über dieses Ereignis: Göllner Die europäischen Türkendrucke Inn. 163-231. 68) Einer von diesen beiden war Kasim-Beg mit 16.000 Mann, die am 10. September 1532 vom Reichsheer in der Nähe von Wiener Neustadt (am Steinfeld) vernichtend ge­schlagen worden waren: Hammer-Purgstall Geschichte 2 90ff; Fessler-Klein Geschichte 3 457ff; Gertrud Gerhartl Die Niederlage der Türken am Steinfeld 1532 (Militärhistorische Schriftenreihe 26, 1974); M. A. Becker Eine Kriegsepisode aus

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